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Objekt des Monats

Objekt des Monats November 2017

„Der Bau der Superlative“

Jeden Monat präsentieren die Landeszeitungund die Museen im Kulturzentrum Rendsburg gemeinsam ausgefallene oder interessante Objekte aus dem Bestand der Museen. Unsere Objekte des Monats November 2017 zeigen ein Foto, vermutlich aus dem Jahr 1958 während des Baus des Rendsburger Kanaltunnels sowie einen Zeitungsartikel vom 18.06.1960, vermutlich aus der Landeszeitung, sowie vom 25.08.2017 aus den Kieler Nachrichten.

Denn man kommt nur schwer an ihm vorbei, wenn man nach Rendsburg hinein oder heraus möchte: dem Kanaltunnel. Am 23. November 1957 war Baustart für das inzwischen langjährige Millionenprojekt, das täglich eine Belastungsprobe für die Nerven vieler Pendler von und nach Rendsburg darstellt.

Dabei sollte der Tunnel doch die Verkehrsprobleme der Stadt lösen, die sich durch die ursprünglich 1895 erstmalig errichtete und 1912 von Friedrich Voß neu konzipierte Drehbrücke über dem Nord-Ostsee-Kanal insbesondere nach dem zweiten Weltkrieg immer stärker herauskristallisierten. Immer mehr Autos sorgten für kilometerlange Staus vor der Drehbrücke, wenn sie aufgrund passierender Schiffe nicht über die Brücke fahren konnten, denn: der Schiffsverkehr hatte Vorrang. Also schien der Kanaltunnel, der von 1957 bis 1961 für 60 Millionen Deutsche Mark gebaut worden war, die einzig sinnvolle und kostengünstigste Möglichkeit, die Stauproblematik zu entspannen. Zunächst gelang es durch den Tunnel, der eine Gesamtlänge von 1250 m und eine Tunnellänge von 650 m aufweist, die langen Wartezeiten vor der Drehbrücke aufzulösen – 1950 musste die Brücke beispielsweise fast 14 000 mal die Schranken schließen und umgerechnet den Straßenverkehr für ca. 102 Tage sperren – und so wurde diese 1964, drei Jahre nach der Eröffnung des Kanaltunnels, demontiert.

Doch problematisch ist insbesondere die Flut an Fahrzeugen, die täglich durch den Tunnel fahren. Rechnete man in der Planungsphase 1949 mit ca. 18 000, sind es heute bis zu 50 000 Fahrzeuge an einem Tag, die die Lebensdauer des Tunnels strapazieren, Sanierungsarbeiten notwendig machen und diese wiederum kilometerlange Staus nach sich ziehen. Beim Blättern älterer und neuerer Zeitungsartikel scheint man sich regelrecht in einer Zeitschleife wiederzufinden: „Was wird das Tunnelprojekt heute kosten?“ (1951), „Großbaustelle Kanal-Tunnel bei Rendsburg“ (1958), „Es hämmert unter dem Nord-Ostsee-Kanal“ (2017), „Rendsburger Tunnel – Bau der Superlative“ (1960) und „Der Tunnel der Superlative“ (2017) sind nur einige Überschriften, die ohne überlieferte Zuordnung zeitlich zunächst einmal nicht unmittelbar zu klären wären.

Bei dem vorliegenden Foto handelt es sich um eine Fotografie in schwarz-weiß. Es wurde ungefähr im Jahr 1958 aufgenommen und zeigt die Tunnelröhre im Bau aus südlicher Richtung. Der Zeitungsartikel von Juni 1960 mit dem Titel „Rendsburger Tunnel – Bau der Superlative“ erzählt von der Einhaltung des Zeitplans und erklärt die baulichen Herausforderungen des Riesenprojekts. Der aktuelle Artikel von August 2017 berichtet von der Kostenexplosion und – dem inzwischen als termingerecht empfundenen – voraussichtlichen Bauende Anfang 2020.

 

Material: Papier
Datum: ca. 1958,  18.06.1960 und 25.08.2017
Inventarnummer: k. A.

 

Objekt des Monats Oktober 2017

„Luthers kleiner Katechismus“

Jeden Monat präsentieren die Landeszeitung und die Museen im Kulturzentrum Rendsburg gemeinsam ausgefallene oder interessante Objekte aus dem Bestand der Museen. Unser Objekt des Monats ist das Buch Dr. Martin Luthers kleiner Katechismus und lehnt sich an das 500-jährige Jubiläum der Reformation an.

Denn ob man gläubig ist oder nicht; über einen Namen stolpert(e) im Jahr 2017 jeder: Martin Luther. Am 31. Oktober 1517 soll der Begründer des Protestantismus 95 Thesen an das Tor der Wittenberger Schlosskirche angeschlagen haben. Er übte damit Kritik (nicht nur) am sogenannten Ablasshandel der römisch-katholischen Kirche, bei dem man sich durch den käuflichen Erwerb eines Ablassbriefes von seinen Sünden befreien lassen konnte. Luthers Stellungnahme zog die Gründung neuer kirchlicher Gemeinschaften nach sich, führte zur Spaltung der römisch-katholischen Kirche und zerstörte somit die kirchliche Einheit des Abendlandes. Durch die Vermischung religiöser mit machtpolitischen Motiven wurde der primär religiöse Charakter der Reformation allerdings verfälscht. In Rendsburg wurde im Frühjahr 1528 nach dem Tod des katholischen Kirchherrn Johan Schröder vom regierenden König Friedrich I. ein protestantischer Nachfolger eingesetzt; dies hätte zu keinerlei Sanktionen gegenüber den Rendsburger Katholiken geführt.

Überall in Deutschland fanden und finden seit dem 1. Januar 2017 Lutherspezifische Veranstaltungen und Aktionen statt; es wurden Bezüge zu Martin Luther und verschiedenen Städten bis in die heutige Zeit hergestellt. Die Oldenburger Kirchenglocken läuteten am Neujahrstag um 15.17 Uhr das Lutherjahr ein, der Deutsche Evangelische Kirchentag im Mai 2017 feierte unter dem Aspekt des Reformationsjubiläums und das Pop-Oratorium Luther ging und geht auf Deutschlandtournee.

Das in unserem Museumsbestand vorhandene Buch Dr. Martin Luthers kleiner Katechismus (Katechismus = Lehrbuch des christlichen Glaubens) dürfte aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stammen und wurde in Rendsburg von F. M. Wendell gedruckt. F. M. Wendell kam aus der Buchdruckerfamilie von Johann Georg Friedrich Wendell, der am 01. Januar 1808 das erste „Gemeinnützige Wochenblatt für Rendsburg und die umliegende Gegend“ herausgebracht hat – der Vorläufer unserer heutigen Landeszeitung. Das im Inneren bereits leicht zerfledderte Buch ist in Frakturschrift verfasst und verweist in seinem Titelzusatz „für Kinder“ auf eine entsprechende Aufmachung, die sich bereits in der Buchgröße wiederspiegelt. Luther hat in diesem Buch unter anderem die Zehn Gebote und das Gebet „Vater unser“ aufbereitet und erläutert. Den Umschlag ziert ein rostbraun-schwarzes Muster.

Das Objekt kann noch diesen Monat im Eingangsbereich in unseren Museen im Kulturzentrum angesehen werden.

 

Material: Papier
Datum: Mitte des 19. Jahrhunderts
Maße: 85 x 105 mm

 

Objekt des Monats September 2017

Trompete aus Rendsburg

Jeden Monat präsentieren die Landeszeitung und die Museen im Kulturzentrum Rendsburg gemeinsam ausgefallene oder interessante Objekte aus dem Bestand der Museen. Bei dem Objekt des Monats September handelt es sich um eine in Rendsburg hergestellte Trompete des Instrumentenbauers Ludwig Wendler. Sie besteht aus Messing und hat eine kleine Gravur „L. Wendler Rendsburg“ am Schallbecher.  

Im Jahr 2012 kam es im Zuge der „Bilderrätsel“-Aktion der Landeszeitung zur Ermittlung der Geschichte des Geschäfts in der Kronprinzenstraße/ Ecke Kanzleistraße und seiner ehemaligen Besitzer. Es wurde erforscht, dass in diesem Haus 1848 - mit Zustimmung des dänischen Königs - von Ludwig Betram ein Musikinstrumentengeschäft gegründet wurde.

Die Werkstatt befand sich im Keller und war circa 80 Quadratmeter groß. Im Ersten Weltkrieg beschäftigte der Blechinstrumenten- und Trommelmachermeister Ludwig Wendler zwölf Gesellen. Er gehörte zur bürgerlichen Oberschicht. "1923 war sein Geldschrank mit circa 60 000 Reichsmark gefüllt", heißt es weiter, "die durch die Inflation wertlos wurden." Daraufhin übergab Ludwig das Geschäft an seinen Sohn Ernst, half in den folgenden Jahren aber immer noch aus.

In dieser Zeit gab es ebenfalls eine Musikschule in dem Haus. Der SHZ-Leser Horst Ermeling aus Rendsburg erinnerte sich an Erzählungen und Zeugnisse seines Vaters Karl-Heinz, der dort unter dem Dach gewohnt hat und dort eine Ausbildung machte. "Abends mussten sie immer im Café „CC“ gegenüber spielen", berichtete Ermeling.

 

Daten

Inventarnummer: 5695-1
Material: Messing
Maße: L: 48,5 cm B: 18,0 cm T: 13,0 

 

 

 

Objekt des Monats Juni 2017

Soldaten-Handstock

Jeden Monat präsentieren die Landeszeitung und die Museen im Kulturzentrum Rendsburg gemeinsam ausgefallene oder interessante Objekte aus dem Bestand der Museen.

Das Objekt des Monats Juni ist ein Handstock aus der Zeit des Ersten Weltkrieges. Er ist mit verschiedenen Schnitzereien und am Kopfende mit einem geschnitzten Adlerkopf versehen. Die Krücke ist beilförmig, wobei sich der Stockdurchmesser nach unten verjüngt. Es kann nicht mehr nachvollzogen werden, inwieweit dieser Hand- bzw. Gehstock aus medizinischer Sicht für den Besitzer notwendig war. In der Regel waren und sind Gehstöcke klassische Hilfsmittel zur medizinischen Rehabilitation und vor allem in der Militärgeschichte wichtige Utensilien, um verletzte bzw. verwundete Soldaten wieder „auf die Beine“ zu bekommen.

In der langen Kulturgeschichte unterschiedlicher Stock-Hilfen haben sich viele verschiedene Spielformen des Gehstocks entwickelt: So gibt es sie beispielsweise auch als Wander- oder Spazierstöcke. Wohingegen es beim Wandern um die konkrete Entlastung des Nutzers geht, ist ein Spazierstock sehr viel mehr zur Zier gedacht - das hier vorliegende Objekt scheint eine Art Mischform aus beidem zu sein und zielt sowohl auf Nützlichkeit und Schmuck ab.

Unser Objekt des Monats wurde von dem Rendsburger Soldaten Thede Peters im Ersten Weltkrieg aus französischer Kriegsgefangenschaft mitgebracht. Ob er ihn von einem anderen deutschen Häftling bekam oder ihn selbst während der Gefangenschaft anfertigte, ist nicht bekannt. Bei Eingang dieses Gehstocks in den Fundus des Museums im Jahr 1968 wurde der Stifter, ein Nachkomme des ursprünglichen Besitzers Thede Peters, zu dem Objekt befragt und seine Ausführungen auf einer Karteikarte festgehalten. Seine Schilderungen und Einschätzungen werden an dieser Stelle unkommentiert zitiert:

„Die hohe Generalität im Ersten Weltkrieg ging ja mehr zu Fuß als im letzten Krieg (gemeint ist der Zweite Weltkrieg), und man kann sie auf vielen Bildern mit Handstöcken sehen, wie den General Ludendorff. Bald auch trugen Flieger Handstöcke. Sie durften sich mehr Freiheiten herausnehmen als die anderen Soldaten. Aber im Schlamm von Flandern und in den Sümpfen in Rußland trugen später nicht nur Offiziere, sondern auch andere Dienstgrade und Mannschaften solche Handstöcke. Sie gehörten beinahe zur Ausrüstung der Schützengraben-Soldaten. Durchweg waren es ja Knüppel aus dem Zaun. Aber wie man an diesem Handstock mit Adlerkopf sieht, wurde er auch mit Schnitzereien versehen. Im Zweiten Weltkrieg habe ich viele Offiziere und Soldaten mit Handstöcken gesehen.“ (November 1968).

Zur Objektgeschichte dieses Gehstockes ist weiterhin zu berichten, dass er bis in die 1970er Jahre im Alten Rathaus in dem dortigen Heimatmuseum deponiert war. Nach dem Brand im Rathaus im Jahr 1973 wurde er gereinigt sowie restauriert und dadurch als Museumsobjekt „gerettet“ Sie können dieses Objekt den ganzen Juni über im Eingangsbereich der Museen besichtigen!

 

Objekt des Monats Mai 2017

Brautkrone

Maße: D: 9 cm, H: 8 cm
Herkunft: Rendsburg
Material: Versilbertes Messingblech mit Glasapplikationen
Inventarnummer: 2645-b
 

Jeden Monat präsentieren die Landeszeitung und die Museen im Kulturzentrum Rendsburg gemeinsam ausgefallene oder interessante Objekte aus dem Bestand der Museen. Unser Objekt des Monats Mai ist eine aus Rendsburg stammende Brautkrone aus dem 18. Jahrhundert. Die reichlich verzierte Krone ist aus einem Stück Messingblech gefertigt und misst neun Zentimeter im Durchmesser sowie acht Zentimeter in der Höhe. Die Oberfläche des Objektes ist versilbert worden. Die fünf eichenblattförmigen Schilde laufen am Ende spitz zu und sind nach außen gebogen. Bei den detailreichen Verzierungen handelt es sich um geschliffene rote, blaue und gelbe Glassteine, die zum Teil verloren gegangen oder blind geworden sind. Die schwarze Bemalung zeigt ein locker gezeichnetes florales Muster, die die Glassteine miteinander verbindet. Des Weiteren sind vier bewegliche Spiraldrähte mit Sternen zu erkennen, von denen jedoch einer fehlt.

Anders als zunächst zu vermuten wurden Brautkronen nicht ausschließlich am Tag der Hochzeit getragen. Die Kopfbedeckung wurde von ledigen Frauen zu Feiertagen und Festen getragen, zuletzt am Hochzeitstag. Eine Krone war bereits lange vor dem Tragen des Schleiers oder Brautkranzes etabliert und sollte die Reinheit der Frau symbolisieren. Nicht nur die gut situierte Oberschicht leistete sich dieses Brautaccessoire. Tatsächlich zeigte sich die Brautkrone besonders in bäuerlichen Gegenden von besonderer Beliebtheit. Sie fungierte dabei als Statussymbol der ganzen Familie. Je vermögender die Familie, desto reicher die Verzierungen und Applikationen. Aber auch regional wiesen die Kronen Unterschiede in der Fertigung und Verzierung auf, meist abgestimmt auf die getragene Tracht. Jedoch besaßen nur die wohlhabenden Familien eigene Brautkronen, andere konnten sich zumeist nur eine Krone für den Hochzeitstag ausleihen. Nach der Hochzeit wurde die Krone traditionell abgelegt und als Zeichen des Friedens über dem Brauttisch aufgehängt. Zunächst verzierte man den Kopfschmuck etwas schlichter mit Blüten, Tannenzweigen, Kräutern oder reifen Früchten. Erst später begann man wertvollere Materialien wie Perlen, Silber, Gold oder Spiegel zu verwenden. Nur die Verzierungen aus floralen Motiven erinnerten noch an die ursprüngliche Brautkrone.

 

Bei der Rendsburger Krone handelt es sich um ein Exponat der Oberschicht, die vermutlich lange Zeit innerhalb der Familie tradiert worden ist. Im 18. Jahrhundert löste der Brautkranz, ein ursprünglich heidnischer Brauch aus der 4. Jahrhundert, die Tradition der Brautkrone ab. Doch bis heute finden sich vereinzelt Krönchen oder Diademe als Brautaccessoire, die auf den lange zurückliegenden Brauch der Brautkrone erinnern. Viele deutsche Trachten, wie etwa die des Lindhorster Brautzugs aus Niedersachsen, zeigen diese Tradition noch heute.

 

Objekt des Monats April 2017

 

Keramiktopf für Kautabak

 

Jeden Monat präsentieren die Landeszeitung und die Museen im Kulturzentrum Rendsburg gemeinsam ausgefallene oder interessante Objekte aus dem Bestand der Museen.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat dieser Tage mitgeteilt, dass drei Viertel der 12- bis 25-Jährigen nicht rauchen. Neben den Raucherzahlen der klassischen Zigarette sind auch die Zahlen der Schnupf- und Kautabakkonsumenten weiter rückläufig. Dies ist ein tiefgreifender Unterschied zu den Konsumentenzahlen vorheriger Generationen - damit klingt der wilde Tabak-Boom des vorherigen Jahrhunderts endgültig ab. Die Rendsburger Museen haben eine Reihe an Rauchutensilien aus dem 20. Jahrhundert in ihrem Archiv und dokumentieren diese Rauchkultur fortwährend. Im Rahmen der Sonderausstellung:  „Rauchen – Abschied von einer Kultur“ wurde dieses Thema bereits 2008 aufgegriffen.

Der Kautabak, auch Mundtabak oder Priem genannt, war und ist ein Genussmittel, das aus verarbeitetem und mit Zusatzstoffen versetztem Tabak besteht. Dieser wird im Mund gehalten oder gekaut und entfaltet so seinen Hauptwirkstoff Nicotin, der dann über die Mundschleimhaut aufgenommen wird. Kautabak gehört mit Schnupftabak zu den rauchfreien Tabakwaren. Den Weg von Amerika nach Europa fand er schon mit der ersten Reise von Christoph Kolumbus im 15. Jahrhundert – er beobachtete die indigene Bevölkerung, wie sie Muschelkalk und Tabak vermischten und darauf kauten – diese Kulturtechnik ist somit der Vorläufer des uns bekannten Kautabaks.

Der hier gezeigte Keramiktopf mit Deckel und Zange gehörte zum Inventar des Tabakhändlers M. Hansen aus Rendsburg, der seine Fabrik in der Bismarckstraße hatte. Um den Topf läuft oben und unten ein braunes Ornamentband. Die Schrift, Ornamente und Fabrikmarke sind vertieft eingearbeitet und blau ausgefüllt. Der Löwe der Fabrikmarke ist beige mit braunem Muster. Inschrift auf der Vorder- und Rückseite: Kautabak M. Hansen Jr. Rendsburg, gegr. 1815. Da der kleine Deckelknauf verhältnismäßig klein im Vergleich zu den Seitenhenkeln ist, weist diese Art auf eine Vorkriegsproduktion hin. Der Topf war im jahrzehntelangen Besitz eines Rendsburger Bürgers, der in ihm, der Sache entsprechend, Kautabak lagerte und diesen anschließend konsumierte.

 

 

Objekt des Monats März 2017

 

Reservistenkrug „Bosholm“

 

Jeden Monat präsentieren die LZ und die Museen im Kulturzentrum Rendsburg gemeinsam ausgefallene oder interessante Objekte aus dem Bestand der Museen. Unser Objekt des Monats März 2017 ist ein Reservistenkrug aus Rendsburg.

Viele Reservisten der kaiserlichen Armee um die Jahrhundertwende zum  20. Jahrhundert kauften sich nach Ende ihrer militärischen Dienstzeit einen solchen Krug als Andenken. Mit diesem Kauf dokumentierte der Reservist seine Verbundenheit mit dem Herrscherhaus, mit der Armee und natürlich im Besonderen mit seiner Einheit. In seinem jeweiligen Wirtshaus oder bei Reservistentreffen war dieser Krug für ihn reserviert. Die meisten noch heute existierenden Reservistenkrüge, -bilder, -pfeifen, -flaschen und -urkunden entstanden in dieser Zeit. Vor 1875 stößt man nur auf Einzelstücke und ab der Entmilitarisierung in der  Weimarer Republik nahm das Interesse an derlei Erinnerungsobjekten ab.

Die Reservistenkrüge wurden aus dem gleichen Material hergestellt, wie die Krüge der übrigen Krug-Produktion - der Form nach gehörten sie zur Gruppe der Walzkrüge. Am beliebtesten und am weit verbreitetsten war der Porzellankrug, da sich seine glatte, schneeweiße Oberfläche besonders gut zur Bemalung und weiteren Verarbeitung eignete.

Der hier gezeigt Krug gehörte dem Reservisten Heinrich Bosholm (*16.10.1888), der von 1908 bis 1910 im Lauenburgischen Feld-Artillerie-Regiment Nr. 45 in Rendsburg gedient hatte. Die Kanone als Deckelverzierung lässt diese spezielle militärische Zugehörigkeit zur Artillerie schon auf den ersten Blick erahnen. Der Rekrut Bosholm war als gelernter Schmied zum Militär gegangen und kaufte nach seinem Ausscheiden ein Grundstück in Osterrönfeld, das bis heute seinen Nachkommen gehört. Er nahm 1914/15 am deutschen Frankreichfeldzug teil und kam im Verlaufe des Krieges schwer verletzt mit einem Lungenschuss zur Regeneration nach Davos/Schweiz ins Lazarett. Zeitlebens stand dieser Krug als symbolisches Erinnerungsstück auf dem Schreibtisch des 1976 verstorbenen Heinrich Bosholm, der wegen des Todes seines Sohnes im Zweiten Weltkrieg nicht über das Militär und seine Dienstzeit sprechen wollte. 

Objekt des Monats Februar 2017

 

Dienstbrille der Wehrmacht mit Sonnenschutz

 

Jeden Monat präsentieren die Landeszeitung und die Museen im Kulturzentrum Rendsburg gemeinsam ausgefallene oder interessante Objekte aus dem Bestand der Museen. Unser Objekt des Monats Februar 2017 ist eine Nickelbrille der Wehrmacht aus den 1930er Jahren.

Die Dienstbrille, die von einem Rendsburger Wehrmachtsangehörigen getragen wurde,  ist in einem grauen Blechkasten aufbewahrt. Dazu gehören außerdem der aufsetzbare Sonnenschutz sowie eine Filzeinlage zum erleichterten Herausnehmen der Brille. Darüber hinaus komplettiert ein Putztuch der Firma „Drossart-Breuer“ (ein noch heute ansässiger Brillenhersteller aus Düren) das Ensemble. Ob auch die Brille in Düren gefertigt wurde, ist unbekannt, aber nicht unwahrscheinlich.

Bei Einberufung in die Wehrmacht bekamen alle Soldaten, die Brillenträger waren, mindestens eine Dienstbrille und oftmals ergänzend eine Maskenbrille ausgehändigt. Die Dienstbrille zeichnete sich vor allem durch ihre Funktionalität, besonders in Form der stark um das Ohr gekrümmten Bügel, aus, die ein Abrutschen oder Wegrutschen der Brille unter soldatischer Belastung erschweren sollten. Der aufsetzbare Sonnenschutz ist sehr einfach über die Brille zu haken und erleichterte die Arbeit der Soldaten bei Sonnenschein sowohl in der Wärme, aber vor allem auch in der Kälte. Was wenig bekannt ist: Besonders bei Märschen und längerem Aufenthalt im Schneegebiet sind Sonnenbrillen von besonderer Bedeutung, weil das stetige Reflektieren der UV-Strahlung zu einer Schädigung der Hornhaut, also zur sogenannten Schneeblindheit, führen kann.

 

Die hier gezeigte Dienstbrille erinnert in ihrem Frontgestell sehr an die sogenannte Maskenbrille der Wehrmacht. Der Unterschied lag letztlich nur in der Halterung, denn die Metallbügel der Dienstbrille hätten ein luftdichtes Verschließen der Gasmaske verhindert. Dementsprechend hatten die Maskenbrillen Gummi-Stoffschlaufen, die nach Belieben festgezogen werden konnten. Die Kästen zur Aufbewahrung der jeweiligen Brillen mussten deutlich mit der jeweiligen Funktion gekennzeichnet sein, um die Brillen im Einsatzfall schnell unterscheiden zu können. Derartige Maskenbrillen befinden sich ebenfalls im Bestand der Museen im Kulturzentrum und werden hoffentlich im Rahmen einer Ausweitung des „Garnisons-Museums“ einen neuen Platz in der Präsentation finden. 

Objekt des Monats Januar 2017

 

Drei Mitgliedsbücher der Deutschen Arbeitsfront

 

Jeden Monat präsentieren die Landeszeitung und die Museen im Kulturzentrum Rendsburg gemeinsam ausgefallene oder interessante Objekte aus dem Bestand der Museen. Unsere Objekte des Monats Januar 2017 sind drei Mitgliedsbücher der „Deutschen Arbeitsfront“.

Die Deutsche Arbeitsfront war in der Zeit des Nationalsozialismus der Einheitsverband der Arbeitnehmer und Arbeitgeber, nachdem 1933 alle freien Gewerkschaften verboten worden waren. Ab 1934 wurde sie Teil der NSDAP und somit vollständig dem Diktat der Parteiführung unterstellt. Die verpflichtenden Mitgliedsbücher nahmen die Grunddaten der Personen, wie Namen, Beruf, Geburtsdatum sowie den jeweiligen übergestellten Gau auf. Im Kern ging es aber um die Erfassung der jeweiligen Arbeitsstellen, des Lohns sowie entsprechende Beurteilungen bzw. Bemerkungen. Die drei Mitgliedsbücher, die nun einen Monat im Eingangsbereich unserer Museen zur Ansicht liegen, gehörten drei Männern aus Rendsburg, Schleswig und Hamburg. Die Namen sind aus Datenschutzgründen anonymisiert.

Die ersten Seiten der rot eingebundenen Bücher sind mit parteipolitischen Zitaten versehen, so beispielsweise mit „Merksprüchen“ Adolf Hitlers oder des Reichsleiters der NSDAP Dr. Robert Ley. Nicht nur hieran erkennt man die große Wichtigkeit der „Arbeiter“ für die verbrecherische „Blut und Boden“-Ideologie der Nationalsozialisten. Auf der letzten Seite des Mitgliedbuches gibt es zudem noch eine streng formulierte Anleitung, dass „jedes Mitglied der deutschen Arbeitsfront nur folgende Zeitungen liest: „Der Angriff“, „Völkischer Beobachter“ „Arbeitertum“ und „Aufbau“. Die Durchdringung und Allgegenwärtigkeit des nationalsozialistischen Gedankengutes im Alltag wird hierdurch deutlich dokumentiert.

Die Museen im Kulturzentrum haben einen großen Fundus an Objekten aus der Zeit des Nationalsozialismus, von dem nur ein kleiner Prozentsatz in der Dauerausstellung zu sehen ist. Auf Anfrage können bestimmte Archivalien aber gerne eingesehen werden! Wenn Sie Interesse haben gemeinsam mit einem Museumsmitarbeiter in den Mitgliedsbüchern zu blättern, wenden Sie sich gerne an unser Kassenpersonal und vereinbaren Sie einen Termin.

 

Maße: Höhe: 15 cm, Breite: 10 cm, Tiefe: 0,5 cm

Herkunft: Rendsburg, Schleswig, Hamburg

Standort: Archiv der Museen im Kulturzentrum Rendsburg

 

 

 

Objekt des Monats Dezember 2016

 

Akkordeon „Sibylla Brand“

Jeden Monat präsentieren die Landeszeitung und die Museen im Kulturzentrum Rendsburg gemeinsam ausgefallene oder interessante Objekte aus dem Bestand der Museen. Unser Objekt des Monats Januar 2017 ist ein Akkordeon des Typs „Sibylla Brand“.

Akkordeons, umgangssprachlich auch Schifffahrtsklaviere oder Quetschen genannt, sind sogenannte Handzuginstrumente, bei denen der Ton durch freischwingende und durchschlagende Zungen erzeugt wird. Es gibt unzählige weitere Bezeichnungen und Bauarten, was auf die weite Verbreitung des Instruments und dessen Nutzung zurückzuführen ist.

Wenngleich dieses Musikinstrument aus der Mode gekommen scheint, so gibt es gerade in der Weihnachtszeit viele Familien, in denen zusammen auf dem Akkordeon musiziert wird. Es sind zudem viele Geschichten von Seefahrern und deren Musizieren auf Schifffahrtsklavieren zur Weihnachtszeit überliefert. Die große Distanz zwischen der Heimat und den Weltmeeren sowie die Abwesenheit der Familie machten diese Rituale für die Seefahrer besonders wichtig.

Das bei uns gezeigt Akkordeon wurde vermutlich in den 1930er Jahren hergestellt und 1944 von einer Büdelsdorfer Familie gekauft.  Die Eltern eines jungen Soldaten (Jahrgang 1927) wollten ihm dieses Akkordeon zur Kriegsrückkehr schenken, zu der es nie kommen sollte.

Unsere Museumskollegen in Markneukirchen/Sachsen besitzen im Übrigen das weltgrößte Akkordeon: Es ist 1,80 Meter hoch, besitzt 128 Diskanttasten und 423 Bassknöpfe und wiegt über 100 Kilogramm. Dieses Gewicht erfordert das Anbringen von Rädern, damit das Instrument bewegt werden kann.

Maße: Höhe 30 cm, Tiefe 15 cm, Breite: 25 cm (stehend, zusammengezogen)

Herkunft: Büdelsdorf, Produktion: vermutlich in Sachsen

Inventarnummer: 9139

Standort: Depot der Museen im Kulturzentrum Rendsburg

 

 

Objekt des Monats Oktober 2016

 

Meerschaumpfeife mit Lederetui

 

 

Material: Holz, Sepiolith, Bernstein,  Samt, Leder

Inventarnummer: 9395

Maße der Pfeife: B: 14 cm, H: 6 cm, T: 2,5 cm

Standort: Depot der Museen im Kulturzentrum

 

Jeden Monat präsentieren die Landeszeitung und die Museen im Kulturzentrum Rendsburg gemeinsam ausgefallene oder interessante Objekte aus dem Bestand der Museen. Unser Objekt des Monats Oktober ist eine Motivpfeife mit Pfeifenkopf aus Sepiolith (umgangssprachlich: Meerschaum) in Form eines Totenkopfes. Das Mundstück ist aus Bernstein, das Verbindungsstück aus Holz. Oben auf dem Totenschädel ist ein Trichter für den Rauchabzug eingesetzt. Im braunen, mit rotem Samt ausgelegten, Lederetui befinden sich noch ein Ersatz-Mundstück und ein Ersatz-Rauchtrichter.

Die Meerschaumpfeife war Teil unserer Sonderausstellung „Rauchen“ im Jahr 2008. Diese Ausstellung widmete sich der Rauchkultur, die in der gesellschaftlichen Diskussion mehr und mehr zum verpönten Laster wurde, allerdings noch nicht gänzlich verschwunden ist. Doch die Zeiten, in denen der Tabakgenuss ganz selbstverständlich zur Alltagskultur gehörte, sind vorbei. Vor allem das früher übliche Pfeifenrauchen wird in der Öffentlichkeit kaum noch wahrgenommen – anders als zu Zeiten der Produktion unserer Pfeife, Anfang des 20. Jahrhunderts.

Die Vorteile von Meerschaumpfeifen gegenüber Pfeifen aus Holz bestehen u. a. darin, dass ein Einrauchen überflüssig wird, da sie zunächst geschmacksneutral sind und das Material Sepiolith überaus feuerbeständig ist. Das heißt, dass ein Anbrennen einer solchen Pfeife theoretisch ausgeschlossen ist und es problemlos möglich ist, eine solche Pfeife heiß zu rauchen. Ein Nachteil besteht wiederum darin, dass Meerschaum Tabakaromen aufnimmt, welche beim Rauchen verschiedener Tabaksorten stören – darüber hinaus ist Meerschaum ein sehr zerbrechliches Material, was auch das samtgefütterte Lederetui erklärt.

Die Pfeife ist nur in diesem Monat im Eingangsbereich unserer Museen zu sehen!

 

 

 

 

 

Objekt des Monats September 2016

Buddelschiff 

Maße: B: 33cm, R:4 cm

Herkunft: Breiholz

Material: Holz, Kork, Glas, Garn

Inventarnummer: 2524

Standort: Depot der Museen im Kulturzentrum

 

Jeden Monat präsentieren die Landeszeitung und die Museen im Kulturzentrum Rendsburg gemeinsam ausgefallene oder interessante Objekte aus dem Bestand der Museen. Unser Objekt des Monats September ist ein „Buddelschiff“ aus Breiholz. Es ist nur in diesem Monat für interessierte Besucherinnen und Besucher im Eingangsbereich der Museen zu besichtigen. Das Modell kam 1948 in den Besitz des Museums und stammt vermutlich aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Flaschen- bzw. Flaschenschiffe waren und sind beliebte Bastelarbeiten von Seeleuten. Oft wurden sie der Seemannsbraut als Mitbringsel von langen Reisen überreicht. Laien wundern sich immer wieder, wie das Schiff mit seinen Masten und Segeln durch den engen Flaschenhals gelangt und dort befestigt wird. Diese Technik ist aber einfacher als es zunächst den Anschein erweckt. Das kleine Schiffsmodell wird so gearbeitet, dass es zusammengeklappt durch den Flaschenhals passt und danach mit Zwirnfäden wieder aufgerichtet werden kann. Die Wellen, die das Schiff tragen, knetet man aus erwärmten, durch den Flaschenhals praktizierten Kitt.

Schon gegen Ende des 18. Jahrhunderts hat sich eine auch für heutige Maßstäbe hochwertige Buddelschiff-Kultur entwickelt. Die professionellen Modellbauer der Schiffswerften platzierten die Miniaturmodelle ihrer Schiffe in ungeahnter Perfektion in die Flasche. Die große Zeit des Flaschenschiffbaues indessen waren die Mitte und die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. Diese Zeit war identisch mit der Zeit der Großsegler, deren Reisen in das Kaiserreich China, nach Australien, Chile und zurückführten, um den europäischen Bedarf an Tee, Wolle, Salpeter und anderen Gütern zu decken. Auf jeder dieser langen Seereisen passierten die Segler Schönwetterzonen, in denen die Schiffe größtenteils gute Fahrt machten, relativ ruhig in der See lagen und Segelmanöver selten waren. Was sich da anbot, war die Herstellung nautischer Gegenstände aus Werkstoffen, die wie Holz, Garn oder Walknochen, die zum Greifen nahe waren. Diese dekorative Kunst lässt sich auch in und an unserem Objekt des Monats sehr schön erkennen!

In der umfangreich präsentierten Kanalgeschichte im Nordflügel unseres Museums finden sich noch weitere Buddelschiffe. Kommen Sie vorbei!

 

Objekt des Monats August 2016

 

Butterdose aus den Kriegsjahren 1916/17

 

Maße: H: 3,2 cm, R: 2,5 cm

Material: Porzellan

Standort: Depot der Museen im Kulturzentrum Rendsburg

Inventarnummer: 6831

Jeden Monat präsentieren die Landeszeitung und die Museen im Kulturzentrum Rendsburg gemeinsam ausgefallene oder interessante Objekte aus dem Bestand der Museen. Unser Objekt des Monats Juli ist eine Butterdose aus dem Ersten Weltkrieg. Sie ist exakt 100 Jahre alt und erinnert an die Ressourcenknappheit in dem erbitterten europäischen Abnutzungskampf.

Die weiße Porzellandose hat zwei Griffe mit grünem Rand. Der Deckel ist ebenfalls grün umrandet. Diese für die späten Kriegsjahre typische Butterdose trägt folgende Beschriftung auf dem Deckel: Butterdose aus den Kriegsjahren 1916/17.

Der Erste Weltkrieg als Waffengang zwischen hochentwickelten Industrienationen forderte den Einsatz aller Ressourcen in bis dahin ungeahnter Konsequenz. Neben den unzähligen Menschen benötigte man vor allem Nahrungsmittel, Fahrzeuge, Pferde, Metalle aller Arten, Öle, Fette, Brennstoffe, Salze, Stoffe und Fasern und natürlich Geld. Mit der Zeit bekam die Zivilbevölkerung deutlich zu spüren, was die vorrangige Versorgung des Heeres mit knappen Gütern bedeutete. Nicht nur fehlten die jungen Männer zu Hause als Arbeitskräfte - es wurden auch viele Dinge immer seltener und teurer. Alltägliche Waren wurden zu Luxusgütern und vieles, was man sich im Frieden ab und zu geleistet hatte, war jetzt streng rationiert oder völlig unerreichbar.

Eine „Butterdose aus den Kriegsjahren 1916/17“ veranschaulicht durch Beschriftung und Größe beispielhaft die kriegsbedingte Rangerhöhung der Butter in den Stand eines Luxusguts. Zur Erklärung des winzigen Formats und wohl auch zur Stärkung der Heimatmoral diente die oben zitierte Aufschrift auf dem Deckel der Dose, die mit feinen Streifen wie ein Schmuckbehältnis gestaltet ist. Es gab auch ähnlich zierliche Gefäße für Zucker und Milch.

 

 

Objekt des Monats Juli 2016

 

2 D – Bildbetrachter mit Fotos von Rendsburg

 

Maße (ausgeklappt): B: 12,5 cm ; H: 12,5 cm ; T: 12 cm

Material: Metall, Papier, Glas

Gravur auf der Innenseite des Betrachter: „Made in Germany, Stereoindupor Gmbh Frankfurt M.“

Standort: Depot der Museen im Kulturzentrum Rendsburg

Inventarnummer: 9499

 

Jeden Monat präsentieren die Landeszeitung und die Museen im Kulturzentrum Rendsburg gemeinsam ausgefallene oder interessante Objekte aus dem Bestand der Museen. Unser Objekt des Monats Juli ist ein Stereo-Bildbetrachter aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts.

Das System ist so einfach wie genial – die Bilder werden in die hintere Klappe gesteckt und dann durch die beiden Gucklöcher der vorderen Klappe betrachtet. Es ergibt sich durch die doppelte Anordnung ein Raumbild. Der Trick dieser Stereoskopie besteht darin, dass die beiden Bilder jeweils aus zwei leicht unterschiedlichen Betrachtungswinkeln aufgenommen wurden und somit das linke und das rechte Auge des Betrachters unterschiedliche Bilder sehen.

Das Prinzip beruht immer darauf, dass Menschen wie alle Primaten und die meisten Raubtiere durch ihre zwei Augen ihre Umgebung gleichzeitig aus zwei Blickwinkeln betrachten. Dadurch kann ihr Gehirn zu allen betrachteten Objekten effizient eine Entfernung zuordnen und ein räumliches Bild seiner Umgebung gewinnen, ohne den Kopf in Bewegung halten zu müssen. Die Stereoskopie befasst sich folglich nur damit, in das linke und rechte Auge jeweils unterschiedliche zweidimensionale Bilder aus zwei leicht abweichenden Betrachtungswinkeln zu bringen. Das Gehirn setzt beide Bilder zusammen, so dass ein einzelnes Bild entsteht, welches einen Bildraum suggeriert, der in Wirklichkeit nicht vorhanden ist. Umgangssprachlich wird Stereoskopie fälschlich als „3D“ bezeichnet, obwohl es sich nur um zweidimensionale Abbildungen (2D) handelt, die einen räumlichen Eindruck vermitteln („Raumbild“). Normale zweidimensionale Bilder ohne Tiefeneindruck werden als monoskopisch bezeichnet.

Es sind etwa 15 Bilder von Rendsburg erhalten, die betrachtet werden können. Sie zeigen beispielsweise die alte Straßendrehbrücke, das Stadttheater, die Werft oder Alltagsszenen vor dem Rathaus.

Der Bildbetrachter wird im Eingangsbereich unserer Museen in einer eigenen Vitrine ausgestellt sein. Wenn Sie Interesse haben, selber einmal hindurch zu sehen, wenden Sie sich an unser Personal!

 

 

 

Objekt des Monats Mai 2016

 

Atomteller-Brokdorf

 

Maße: Höhe: 2 cm, Radius: 10 cm

Datierung: 2015

 

 

Jeden Monat präsentieren die Landeszeitung und die Museen im Kulturzentrum Rendsburg gemeinsam ausgefallene oder interessante Objekte aus dem Bestand der Museen. Unser Objekt des Monats Mai steht in direktem Zusammenhang mit der Katastrophe von Tschernobyl vor 30 Jahren. Am 26. April 1986 kam es im Atomkraftwerk von Tschernobyl zum bisher schwersten Unfall in der Geschichte der Kernenergie. Zwei Explosionen zerstörten einen der vier Reaktorblöcke und schleuderten radioaktives Material in die Atmosphäre.

Die Künstlerin MARIAZO hat zu diesem traurigen Jahrestag eine Rauminstallation im Museumscafé ausgestellt, die noch bis zum 29. Mai dieses Jahr zu sehen sein wird.

Ein Exponat dieser Ausstellung ist zugleich unser Objekt des Monats – der „Atomteller“ des Kernkraftwerkes Brokdorf. Neben diesen Tellern hängen zwei weitere Teller „Krümmel“ und „Brunsbüttel“ im Eingangsbereich der Museen im Kulturzentrum. Der ausgewählte Teller trägt vorderseitig die Inschrift Brokdorf und rückseitig verschiedene Daten des Reaktors, wie beispielsweise dessen Eigentümer, die elektrische Leistung, den Baubeginn sowie die voraussichtliche Abschaltung im Jahr 2021. Das Kernkraftwerk Brokdorf wurde erstmal 1986, also genau im Jahr der schrecklichen Vorkommnisse in Tschernobyl, in Betrieb genommen. Schon während der Bauphase in den 1970er Jahren bis spät in die 1980er Jahre gab es großen Widerstand von Atomkraftgegnern. Dieses Kernkraftwerk gilt bei vielen Atomkraftgegnern als Symbol des Widerstands gegen die Nutzung der Kernenergie in Deutschland. Es konnte erst nach jahrelangen heftigen Auseinandersetzungen am „Brokdorfer Bauzaun“ und einem mehrjährigen Baustopp fertiggestellt werden. Atomkraftgegner und Polizei lieferten sich bei einer Großdemonstration 1981 bürgerkriegsähnliche Schlachten mit hunderten Verletzten. Wenngleich sich die Lage danach beruhigt hatte, gab und gibt es in regelmäßigen Abständen weiterhin Demonstrationen der Atomkraftgegner. Seit 2010 gehört das Kraftwerk den Energieriesen E.ON und Vattenfall. 

 

 

Objekt des Monats April 2016

Brautkrone zur Silberhochzeit

 

Maße: B: 13 cm, H: 9 cm, T: 12 cm

Herkunft: unbekannt

Material: versilbert

 

Standort: Depot der Museen im Kulturzentrum

 

Unser Objekt des Monats April ist eine Brautkrone zur Silberhochzeit. Sie entstammt dem alten Bestand des Museums und hat leider keine Inventarnummer oder dokumentierte Objektgeschichte. Sie ist nur in diesem Monat für interessierte Besucherinnen und Besucher im Eingangsbereich der Museen zu besichtigen.

Silberne Brautkronen konnten und können zu Feierlichkeiten der Silberhochzeit getragen und später als dekoratives Andenken behalten werden. Es gibt ähnliche Brautkronen im Bestand unserer Museen, die beispielsweise eine Plakette mit der Inschrift “Zur Erinnerung an die Silberne Hochzeit“ enthalten.

Das Jubiläum der Silberhochzeit, das für 25 Jahre Ehe steht, ist nicht zufällig gewählt, sondern steht im Kontext des 25-jährigen Jubiläums der Museen im Kulturzentrum - sozusagen der Silberhochzeit zwischen dem Druck- und dem Historischen Museum Rendsburg.

Im Rahmen dieser Feierlichkeiten sind spezielle Sonderausstellungen sowie ein Museumsfest im Juni diesen Jahres geplant.

 

Wir freuen uns auf ihren Besuch im Jubiläumsjahr!

 

 

Objekt des Monats Januar 2016

Objekt der Monate Januar und Februar

Schwebefähre Rendsburg

-Mittelteil der Eisenbahn-Hochbrücke-

 

Material: Holz

Datum: 1959

Maße: B: 62 cm, H: 15 cm, T: 5 cm

 

Jeden Monat präsentieren die Landeszeitung und die Museen im Kulturzentrum Rendsburg gemeinsam ausgefallene oder interessante Objekte aus dem Bestand der Museen. Unser Objekt des Monats Januar ist dem tragischen und aktuellen Anlass des Schwebefährenunglücks gewidmet.

Die seit dem 8. Januar 2016 nicht mehr in Betreib stehende Rendsburger Schwebefähre unter der Eisenbahnhochbrücke ist das verkehrstechnische, touristische und identitätsstiftende Highlight Rendsburgs. Der mögliche Verlust der Schwebefähre hätte in vielerlei Hinsicht negative Konsequenzen für Rendsburgs Bürgerinnen und Bürger sowie das gesamte Umland. Sie verbindet seit 1913 die Gemeinde Osterrönfeld mit der Stadt Rendsburg, wobei pro Fahrt bis zu 60 Personen sowie 4 Fahrzeuge transportiert werden können. Diese unentgeltliche Fahrt bietet ein Spektakel für Touristen und Einheimische, die von beiden Kanalufern oder gar einer Aussichtsplattform dem Geschehen folgen können. Es gibt weltweit lediglich sechs Schwebefähren, die Fußgänger und Kraftfahrzeuge transportieren. In Deutschland steht die einzig weitere im Landkreis Cuxhaven und überschwebt die Oste.

Somit befindet sich die einzig derzeit funktionierende Schwebefähre Rendsburgs im Historischen Museum Rendsburg! Unser Holzmodell aus dem Jahre 1959 zeigt den kompletten Mittelteil der Rendsburger Hochbrücke mitsamt der Schwebefähre, die über dem Nord-Ostsee-Kanal und in sicherer Distanz zum nächsten Frachter schwebt. So, wie wir es hoffentlich in naher Zukunft wieder in der Realität sehen!

Neben diesem kleinen Modell, das problemlos in den Eingangsbereich des Museums transportiert werden konnte, befindet sich im 1. Stock des Museums ein weiteres Modell im Maßstab 1:75. Dieses wurde 2010 in den Lehrwerkstätten der Kreishandwerkerschaft Rendsburg-Eckernförde von Teilnehmern einer „Aktivierungs-hilfen“-Maßnahme für Jugendliche gebaut.

Neben diesen beiden Schwebefähren- bzw. Eisenbahnhochbrückenmodellen zeigt das Historische Museum in seiner Dauerausstellung zahlreiche Objekte und Filme zur Kanalgeschichte sowie deren Über- und Unterführungen. Die Museen im Kulturzentrum unterstützen ausdrücklich die Aktion der Landeszeitung.

 

 

Objekt des Monats November 2015

Schirmmütze der Bundeswehr

Herkunft: Rendsburg

Gefertigt: Bamberger Mützenindustrie

Material: Stoff, Leder, Metall

Maße: 29x16x25 cm

Inventarnummer: 8574

 

Jeden Monat präsentieren die Landeszeitung und die Museen im Kulturzentrum Rendsburg gemeinsam ausgefallene oder interessante Objekte aus dem Bestand der Museen. Unser Objekt des Monats November 2015 steht in direktem Zusammenhang mit dem 60. Jahrestag der Bundeswehr-Gründung. Am 12. November 1955 wurden in der Ermekeil-Kaserne in Bonn die ersten 101 Soldaten der neu aufgestellten deutschen Streitkraft vereidigt.

Kurz danach bezog die Bundeswehr auch die beiden Rendsburger Kasernen, die Eider-Kaserne sowie die Rüdel-Kaserne, welche im Jahr 2000 in Feldwebel-Schmidt-Kaserne umbenannt wurde. Nach über 50 Jahren Bundeswehr und 350 Jahren durchgehender Militärpräsenz auf Rendsburger Stadtgebiet, besiegelte die 2004 beschlossene Bundeswehrreform dann binnen 5 Jahren das Ende der 350 Jahre alten Garnisonsgeschichte Rendsburgs in 2009.

Die hier gezeigte Schirmmütze für Mannschaften und Unteroffiziere des Heeres besteht aus grauem Stoff mit roter Paspelierung, Abzeichen aus Metall und schwarzem Mützenschirm. Für viele Marineuniformträger ist die Schirmmütze die gewöhnliche Kopfbedeckung zum Dienstanzug. Seltener wird die Schirmmütze von Luftwaffen- und Heeresuniformträgern getragen, wo meist stattdessen Barett, Bergmütze oder Schiffchen vorgezogen werden. Die Schirmmütze wird dort überwiegend nur zum Dienst- und Gesellschaftsanzug getragen. Die Ausführung und die Schirmapplikationen erlauben die Zuordnung des Soldaten zu einer Teilstreitkraft oder Dienstgradgruppe.

 

Diese Schirmmütze wurde in der vorliegenden Ausführung dementsprechend nicht nur in Rendsburg, sondern bundesweit von Heeresangehörigen getragen. Die Schulterklappen mit dem Mannschaftsdienstgrad des „einfachen Soldaten“ (unten) bis zum höchsten Unteroffiziers-Dienstgrad „Oberstabsfeldwebel“ (oben) symbolisieren die Bandbreite der potentiellen Träger.

Objekt des Monats Oktober 2015

Wimpel „Kampfgruppe der Arbeiterklasse“

 

Herkunft und Datierung: Rostock zw. 1961-1989

 

Material: Stoff

 

Maße: 25 x 18 cm

 

Unser Objekt des Monats Oktober 2015 steht in direktem Zusammenhang mit den Feierlichkeiten des 25-jährigen Jubiläums der Deutschen Wiedervereinigung.

Es handelt sich um einen Wimpel der „Kampfgruppe der Arbeiterklasse“ des Volkseigenen Betriebes (VEB) der Schiffwerft Neptun in Rostock.

Die Kampfgruppen der Arbeiterklasse waren paramilitärische Verbände, die in staatlichen Betrieben und Einrichtungen organisiert wurden. Sie waren personell aus den Mitarbeitern der Betriebe, Kombinate, staatlicher Organe und deren Einrichtungen zusammengesetzt. Den Beschluss zum Einsatz der Kampfgruppen fasste die jeweilige SED-Bezirksleitung. Für die konkrete Führung der Einsätze war dann wiederum die Volkspolizei zuständig, sie erteilte in diesem Rahmen auch die Befehle an die zuständigen Kampfgruppenkommandeure.  Durch diese Verbände sollte die Herrschaft des Proletariats in der DDR auch militärisch manifestiert werden. Die 1850 gegründete Rostocker Werft wurde 1953 zu einem Volkseigenen Betrieb und hieß ab diesem Zeitpunkt VEB Schiffswerft Neptun. Die Werftanlagen wurden bis 1989 ständig erweitert, was bei zu Zeiten des Mauerfalls zu einer Belegschaft von über 7000 Personen führte. 

Objekt des Monats August 2011

August 2011:

Brautkrone

Messingblech, ölvergoldet

Durchmesser ca. 11 cm

Herkunft und Datierung: Christkirche Rendsburg, 18. Jahrhundert

Inv.Nr. 2645a

Die hier gezeigte Brautkrone aus ölvergoldetem Messing hat 5 senkrechte Schilde, die in ihrer Form an Eichenblätter erinnern.  Jedes der Schilde ist kunstvoll mit floralen Motiven und  geschwungen eingefassten, glitzernden Steinchen verziert, in deren Mitte jeweils ein großer Glasstein in Rot, Grün oder Blau sitzt, ebenfalls eingefasst.

Die Krone aus dem 18. Jahrhundert war im Besitz der Rendsburger Christkirche und wurde bei Hochzeiten an (jungfräuliche) Bräute verliehen, die sich ein solch teures Schmuckstück selbst nicht leisten konnten. Die Ausleihgebühr richtete sich nach dem Wert der Krone. Nutznießer waren im Allgemeinen der Pastor oder ein anderer Kirchenbeamter. Wie die Verhältnisse in der Rendsburger Christkirche waren, ist nicht überliefert; bekannt ist nur, dass hier der Organist das Privileg der Ausleihe eines Taufzeugs hatte. Brautkronen gab es in allen Gegenden Deutschlands sowie in Skandinavien, Serbien und anderen Ländern Europas. Im Trachtenwesen finden sich ähnliche Kopfbedeckungen für Frauen.

Die Brautkrone galt des Weiteren als Symbol der Unberührtheit und wurde von Seiten der staatlichen Obrigkeit auch als Mittel eingesetzt, um auf die Tugend und das sittliche Verhalten der Bräute Einfluss zu nehmen.

Als Abwandlung dienten dem gleichen Zweck Kränze aus Blumen oder ein sogenanntes Schappel oder Schäppel, das ebenfalls reich verziert war mit Steinen, Perlen, Goldschnüren und Borten.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde die Krone durch einen grünen Kranz aus Blättern ersetzt, den die Braut bei der Hochzeit trug.

Objekt des Monats September 2011

September 2011:

Care Paket

Material: Pappe, Metall (Klammern)

Maße: 20 x 33 x 33 cm

Herkunft und Datierung: USA / Westerrönfeld, um 1946

Inv. Nr.: 9498

Das hier gezeigte sogenannte Care Paket war eins von mehreren Millionen Hilfspaketen, die ab 1946 im Rahmen eines Hilfsprogrammes von den USA nach Deutschland (und in andere europäische Länder) verschickt wurden, um die Bevölkerung in den stark zerstörten Gebieten mit den wichtigsten Nahrungsmitteln zu versorgen und so eine Hungersnot zu verhindern.

Die private Hilfsorganisation CARE („Cooperative for American Remittances to Europe“) koordinierte den Versand der Pakete, die ab August 1946 zunächst im Hafen von Bremen eintrafen und von dort aus weiterverschickt wurden. Die sowjetische Besatzungszone wurde dabei ausgespart. Ein Paket kostete 15 Dollar (finanziert aus Spenden der US-amerikanischen Bevölkerung) und enthielt die notwendigste Nahrung für eine Person für drei bis vier Wochen.

Zur Grundausstattung eines Standard-Care Pakets gehörten:

500g Rindfleisch in Kraftbrühe, 500g Steaks und Nieren, 250g Leber, 250g Corned Beef, 375g „Prem“ (Fleisch zum Mittagessen), 250g Speck, 1kg Margarine, 500g Schweineschmalz, 1 kg Zucker, 500g Honig, 500g Schokolade, 500g Aprikosen-Konserven, 250g pulverisierte Eier, 1kg Vollmilch-Pulver, 1kg Kaffee, 500g Rosinen.

Insgesamt betrug der Nährwert eines solchen Care Pakets in etwa 40.000 Kilokalorien. Für viele Menschen im zerbombten Deutschland war es die Rettung aus der Not, da es in der Nachkriegszeit an allem mangelte, besonders aber an Nahrungsmitteln. Als Symbol der Hoffnung hat es sich bis heute ins Bewusstsein der (Nachkriegs-)Bevölkerung eingegraben.

Unser Paket wurde, wie die handschriftliche Notiz auf zwei Seiten zeigt, als Aufbewahrungskarton für Schulhefte genutzt. Daher weist es teilweise starke Gebrauchsspuren auf. Es wurde bei Aufräumarbeiten auf einem Dachboden in Westerrönfeld gefunden.

Objekt des Monats Oktober 2011

Oktober 2011:

Kalfaterhammer1

Material: Holz

Herkunft und Datierung: Breiholz, 1903

Inv. Nr.: HMR 3633
 
„12 Tage lebend im gekenterten Schiff“ (original Artikelüberschrift in diversen Zeitungen)

Hans Hinrich Engellandt kenterte am 18. April 1903 mit seiner Kufftjalk „Erndte“ von Memel aus kommend in der Ostsee. Drei Besatzungsmitglieder kamen dabei ums Leben. Engellandt überlebte 12 Tage und Nächte in einer Luftblase des kieloben treibenden Schiffes. Von ihm stammt folgender Bericht:

„Ich saß wie in einer Taucherglocke, hatte aber die Empfindung ‚Aus dieser Lage kommst du wieder heraus‘. In der Nähe vom Kiel baute ich mir ein Gerüst, auf dem ich die Tage zugebracht habe. Über dem Wasser hatte ich noch 5 Fuß Raum. Zunächst fischte ich aus dem Wasser einige Gerätschaften und etwas Proviant auf. Mit einem Hammer, den ich auch auffischte, habe ich jeden Tag von morgens bis abends gegen die eiserne Schiffswand geschlagen, um vorüberfahrende Schiffe aufmerksam zu machen. Mit welcher Energie ich das Schlagen fortgesetzt habe, davon legt der Hammer ein beredtes Zeugnis ab. Bis auf die letzten Nächte habe ich, weil vom Schlagen sehr ermüdet, gut geschlafen. Durch das Wasser drang etwas Tageslicht in mein Gefängnis, so daß ich von morgens 6 bis abends 6 wie im Mondschein saß. Am 12. Abend hatte ich mich eben zur Ruhe gelegt, als ich das Geräusch von Fußtritten über meinem Kopf vernahm. Meine Aufregung läßt sich nicht beschreiben. Mit meinem Hammer gab ich sofort ein Lebenszeichen von mir. Ein englischer Dampfer hatte mein Schiff treiben sehen. Mein Wrack ward ins Schlepptau genommen und nach Neufahrwasser gebracht, wo man mich aus meiner Lage befreite.“

(aus: Rendsburger Jahrbuch, 1978)

1 Ein Kalfaterhammer wird verwendet beim sog. Kalfatern, einer  Tätigkeit beim Schiffbau, bei der die Nähte zwischen hölzernen Schiffsplanken mit Werg oder Baumwolle und Holzteer, Pech oder Gummi abgedichtet werden.

Objekt des Monats November 2011

November:

Offiziersmütze des Oberstleutnants Cederic A. Cornell

Material: Baumwolle, Leder, Metall

Herkunft und Datierung: London/UK, 1945

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Schleswig-Holstein von Britischen Truppen besetzt. Es gehörte somit zur Britischen Besatzungszone, die dem Oberbefehl der britischen 21. Armeegruppe, der Rheinarmee, unterlag. Für die einzelnen Stadt- und Landkreise gab es örtliche Militärregierungen. Der zunächst für Rendsburg zuständige Major Hudson wurde bald durch Oberstleutnant Cederic A. Cornell abgelöst, der aufgrund seines Amtes als der  mächtigste Mann der Stadt galt. Er residierte im heutigen Katasteramt und konnte über die Rendsburger Bürger und die Belange der Stadt in einem Maße verfügen, wie niemand anderes jemals zuvor.  Als Vertreter der britischen Militärregierung „Control Commission Germany“ (CCG) übte er scharfe Kontrolle auf die örtlichen Verwaltungen aus, die nach der Kapitulation weiterarbeiteten. Er blieb auch „Kreis Resident Officer“ für den Kreis Rendsburg, als ab Mai 1946 ein Zivilgouverneur die Regierungsgewalt in Schleswig-Holstein übernahm.

Die erste Kommunalwahl nach dem Krieg wurde von der Militärregierung für den 15. September 1946 anberaumt, die zweite fand im Oktober 1948 statt. Bürgermeister war zu dieser Zeit Adolf Steckel. Oberstleutnant Cornell behielt jedoch bis nach 1950 seine Rolle als mächtigster Mann Rendsburgs.

Objekt des Monats Dezember 2011

Blechspielzeug-Tanzfigur Charlie Chaplin

Material: Weißblech, Textilien

Herkunft und Datierung: Rendsburg/Nürnberg, um 1930

Hersteller: Schuco

Inv.-Nr.: 9508-076

Die hier gezeigte Blechspielzeugfigur Charlie Chaplin wurde um 1930 von der Nürnberger Firma Schuco (vormals Schreyer & Co) hergestellt. Solche Tanzfiguren waren neben Autos in zahlreichen Varianten eine beliebte Produktgruppe der Firma Schuco, die 1912 gegründet und im Jahre 1999 in die Simba Dickie Group mit Sitz in Fürth eingegliedert wurde.

Betätigt man den Schlüssel in Charlies Rücken, fängt er an zu „tanzen“ und dreht dabei seinen Stock (zu sehen ist dieser Bewegungsablauf in der Videosequenz in der neuen Blechspielzeugabteilung der Museen im Kulturzentrum Rendsburg).

Charles Chaplin, geboren am 16. April 1889 in London, gestorben am 25. Dezember 1977 in Vevey (Schweiz) war ein britischer Komiker, Schauspieler, Regisseur, Komponist und Produzent. Er zählt zu den einflussreichsten Komikern des 20. Jahrhunderts. Sein Zweifingerschnurrbart, die übergroßen Schuhe und Hose, die enge Jacke, die Melone auf dem Kopf sowie der Bambusstock in der Hand, Ausstattung seiner bekanntesten Figur, des „Vagabunds“, machten ihn zu einer Filmikone und wurden seine Markenzeichen. Besonderen Erfolg feierte er mit Rollen in den Stummfilmkomödien Hollywoods.

Der Rendsburger Sammler Reinhardt Jahnke erwarb die äußerst seltene Tanzfigur 1999 bei einem Berliner Spielzeughändler.

Die hohe Qualität, die Originalität der Bewegungsabläufe sowie die detailreiche und liebevolle Gestaltung machen die Spielzeuge heute zu einem beliebten Sammelobjekt.

Die Blechspielzeugfigur Charlie Chaplin ist Teil der Spielzeugsammlung des Rendsburger Sammlers Reinhard Jahnke, die dieser den Museen im Kulturzentrum im Spätsommer 2011 als Spende übergab. Die Sammlung besteht aus ca. 450 Objekten und original Verpackungen und ist seit November 2011 im Nordflügel der Museen im Kulturzentrum dauerhaft zu sehen.

Objekt des Monats Januar 2012

Bauteil der Rendsburger Straßendrehbrücke

Material: Stahl

Herkunft und Datierung: Rendsburg, 1913

Inv.-Nr.: 9497

Dieses auf den ersten Blick etwas eigenartig anmutende Stück Stahl sammelte Christian Ladewig kurz nach dem Abriss der Rendsburger Straßendrehbrücke 1965 auf und brachte es vor einigen Monaten in die Museen im Kulturzentrum (von ihm stammt auch die Beschriftung auf dem Bauteil). Wahrscheinlich handelt es sich um ein Verbindungsstück zwischen zwei Stahlträgern, die an dieser Stelle zusammengenietet waren. Das Bauteil ist mit grauer Schutzfarbe bestrichen.

Die Drehbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal (bzw. damals noch Kaiser-Wilhelm-Kanal) wurde 1913 vom Ingenieur Friedrich Voß (der ebenfalls die Eisenbahnhochbrücke errichtete) gebaut, jedoch aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens im Jahre 1961 stillgelegt und 1965 abgerissen. Teilweise mehr als 8000 Fahrzeuge passierten die Brücke Ende der 1950er Jahre täglich. Der Schiffsverkehr hatte jedoch Vorrang, so dass sich bei geöffneter Brücke lange Staus bildeten. Ersetzt wurde die Brücke durch den Kanaltunnel, der heute die wichtigste Querung des Nord-Ostsee-Kanals für den Kraftfahrzeugverkehr in Rendsburg darstellt.

Die Straßendrehbrücke bestand aus zwei Flügeln, die sich auf jeweils einem Pfeiler in unmittelbarer Nähe zum Kanalufer drehten. Insgesamt war die Brücke 164 m lang und 34 m breit. Auf ihrer Fahrbahn war zusätzlich zum Kraftfahrzeugverkehr und einem Gehweg für Fußgänger ein Gleis für die Kleinbahn angelegt.

Objekt des Monats Februar 2012

Historische Postkarte der Weißen Brücke in Rendsburg

Herkunft und Datierung: Rendsburg, Anfang 20. Jahrhundert

Material: Karton

Bildarchiv-Nr.: 400-411

Die hier gezeigte Postkarte dürfte bei vielen Rendsburgern zwiespältige Gefühle auslösen, steht die sogenannte Weiße Brücke doch seit Monaten im Mittelpunkt heftiger kommunalpolitischer Diskussionen. Debattiert wird darüber, ob und wenn ja, wie die Brücke erhalten bzw. saniert wird und ob ein Neubau aus Holz (wie es schon seit Jahrzehnten der Fall ist) oder aus Stahl bestehen soll. Auch über einen zusätzlichen Fuß- und Radweg wird nachgedacht. Bisher kam es zu keiner Einigung in den politischen Gremien der Stadt. Bis auf weiteres ist die marode Brücke daher gesperrt.

Die Weiße Brücke ist im Gedächtnis vieler Rendsburger fest verankert und prägt schon seit etlichen Jahren das Rendsburger Stadtbild am Jungfernstiegbecken. Sowohl Fußgänger als auch Radfahrer nutz(t)en die Brücke auf dem Weg vom Rathaus zum Paradeplatz. Einst spazierten die Schüler der Herderschule dort hinüber, als die Schule noch auf dem Gymnasiumsberg an Stelle des heutigen Neuen Rathauses stand. Die Brücke war schon immer – neben dem Jungfernstieg - ein wichtiges Verbindungsstück zwischen Altstadt und Neuwerk. Außerdem ist sie ein Stück Identität der Stadt Rendsburg, darüber sind sich viele Rendsburger Bürger einig.

Gebaut wurde sie  1874, kurz bevor das Gymnasium auf dem Gymnasiumsberg entstand. Seitdem wurde sie mehrfach erweitert und umgebaut. Die größte bauliche Veränderung erfuhr sie im Jahre 1972, als der flache, gerade Holzbau in eine gebogene Form umgewandelt wurde. Auf dem Foto ist noch diese ältere Variante zu sehen.

Objekt des Monats März 2012

Stereo-Bildbetrachter

Material: Holz, Pappe, Glas, Eisen

Herkunft und Datierung: Rendsburg/Dänemark, um 1880

Inventar-Nr.: HMR 8905

Mit Hilfe dieses Apparates konnte man bereits Mitte des 19. Jahrhunderts ein sogenanntes „Raumbild“ erzeugen (umgangssprachlich auch als 3D-Effekt bezeichnet), das durch die spezielle optische Anordnung zweier Fotos bzw. eines Doppelfotos erreicht wird. Der Trick dieser Stereoskopie besteht darin, dass die beiden Bilder jeweils aus zwei leicht unterschiedlichen Betrachtungswinkeln aufgenommen wurden und somit das linke und das rechte Auge des Betrachters unterschiedliche Bilder sehen. Das Gehirn setzt beide Bilder zusammen, so dass ein einzelnes Bild entsteht, welches einen Bildraum suggeriert, der in Wirklichkeit nicht vorhanden ist.

Das von August Fuhrmann entwickelte sogenannte Kaiserpanorama, ein Rundlauf-Stereobetrachter, bei dem mehrere Personen gleichzeitig die Bilder ansehen konnten, war um 1900 ein populäres Massenmedium (siehe Abbildung: Kaiserpanorama im Wiener Prater um 1880) und kann als ein Vorläufer des Kinos bezeichnet werden.

Zu dem hier gezeigten Stereo-Bildbetrachter gehören insgesamt 24 dieser Doppelfotos (aus technischen Gründen ist hier jedoch nur eins zu sehen). Sie werden auf einen Rahmen gesteckt und durch zwei kleine Glasscheiben betrachtet, eine für jedes Auge. Die Motive dieser Bilder reichen von Familienfotos über Naturaufnahmen bis zu Ansichten verschiedener Städte und Metropolen in Europa und den USA.

Objekt des Monats April 2012

Drehbare Sternenkarte

Herkunft und Datierung: Leipzig/Rendsburg,  um 1900

Material: Leder, Pappe, Papier

Inventarnr.: HMR 9005

Die drehbare Sternenkarte aus dem Kommissionsverlag für Deutschland u. Österreich Leipziger Lehrmittel Anstalt v. Dr. Oskar Schneider, Leipzig, zeigt den Sternenhimmel für Mitteleuropa und hat einen Durchmesser von 26 cm. In der Mitte ist ein ovaler Ausschnitt eingelassen, auf dem die Sternenbilder zu sehen sind und der sich drehen lässt. Um den Ausschnitt herum sind die Tageszeiten verzeichnet. Auf der Rückseite ist eine genaue Anleitung zur Nutzung der Karte abgedruckt, die jedoch beschädigt und daher teilweise nur schwer zu entziffern ist. Um den Sternenhimmel für einen bestimmten Tag im Jahr einzustellen, muss man die Linien mit dem jeweiligen Monat nach der gewünschten Tageszeit ausrichten.

Die ersten Sternkarten gab es bereits im antiken Griechenland. Als eine frühe und bekannte Darstellung ist die Himmelsscheibe von Nebra zu nennen, wobei die Verteilung der Sterne auf der Scheibe hier jedoch eher zufällig geschah. Oftmals wurden diese Karten mit figürlichen Darstellungen bestimmter Sternbilder ergänzt. Erst im 16. Jahrhundert begann man sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse und genaue Beobachtungen zu stützen und entwarf Karten, die den realen Sternenkonstellationen entsprachen. Daraus entstanden regelrechte künstlerische Meisterwerke, die als Kupferstiche das astronomische Wissen der Zeit lebhaft koloriert zusammenfassten. Als erste genaue Sternenkarte wird die Uranometria bezeichnet, ein Himmelsatlas mit insgesamt 51 illustrierten Karten aller Sternbilder, der von dem Astronom Johann Bayer im Jahre 1603 angefertigt wurde.

Objekt des Monats Mai 2012

Mechanische Eierwaage

Material: Metall, farbige Emaille, Messing

Herkunft und Datierung: Rendsburg, 1930er Jahre

Inventarnr.: HMR 9077

Diese mechanische Eierwaage aus den 1930er Jahren ist ein typisches Beispiel für Objekte aus dem Bereich Alltagskultur im Historischen Museum.

Eine verschiedenfarbige Skala mit den Einteilungen S, A, B, C und D sowie Gewichtangaben zwischen 80 und 40 Gramm dient zur Bestimmung des Hühnereis. Diese Einteilung ist heute jedoch nicht mehr aktuell, da Hühnereier heute nach europäischen Vermarktungsnormen in die Größen S (klein, unter 53g), M (mittel, 53-63g), L (groß, 63-73g) und XL (sehr groß, mehr als 73g) unterteilt werden.

Leider stehen uns kaum Informationen über diese Waage zur Verfügung, dennoch möchten wir sie Ihnen als Objekt des Monats nicht vorenthalten. Falls Sie uns - eventuell sogar aus eigener Erfahrung - sagen können, bis wann eine derartige Waage in deutschen Haushalten in Gebrauch war oder was es mit der Aufteilung in S, A, B, C und D auf sich hat, nehmen Sie gerne mit uns Kontakt auf!

Die Farbe des Hühnereis ist übrigens genetisch bedingt und hängt allein von der Hühnerrasse ab, von der das Ei stammt. Reinrassige Hühner mit weißen Ohrscheiben legen meist weiße Eier, solche mit roten Ohrlappen dagegen meist braunschalige. Die Farbe des Eis hat also nichts mit der Farbe des Gefieders zu tun, wie oftmals angenommen.

Das hier abgebildete Foto stammt aus der Serie „Der zweite Blick“ der Fotografin Silke Grahn, deren Bilder zur Zeit im Museumscafé zu sehen sind.

Objekt des Monats Juni 2012

Ölgemälde Alter Markt mit Rathaus

Herkunft und Datierung: Rendsburg, 1888

Material: Öl auf Leinwand

Maße: 32,5 x 26,5 cm

Inv.-Nr.: HMR 4007

Das Gemälde aus Ölfarben zeigt eine Ansicht des Alten Marktes (Altstädter Markt) in Rendsburg mit Blick auf das Alte Rathaus. Im Vordergrund sieht man verschiedene Personengruppen und kleine Marktszenen, im Hintergrund ragt der Turm der Marienkirche über die Dächer der Altstadthäuser in den wolkigen Himmel hinein. Die Häuserzeile links besteht auch heute noch, allerdings befindet sich in dem ehemaligen Haus Nr. 66 nicht mehr die Tuch, Manufaktur- und Modewarenhandlung C.W. Böse, sondern es ist Teil der Altstadt-Passage. Die Fassaden der Häuser haben sich außerdem stark verändert. So war das Alte Rathaus damals noch weiß getüncht (wie auf dem Gemälde bis zum Umbau 1904), erscheint heute jedoch in seiner ursprünglichen Form als frühneuzeitlicher Backsteinbau mit Fachwerk. Rechts neben dem Rathaus befindet sich heute das ehemalige Hertie- bzw. Karstadt-Gebäude, das zur Zeit leer steht.   

In der rechten unteren Ecke des Gemäldes befindet sich die Signatur des Malers M. Selle und das Jahr der Entstehung des Bildes 1888.

Über den Maler ist nur sehr wenig bekannt.

Das Gemälde ist im Jahr 2000 restauriert worden. Durch Verschmutzungen und Klebstoff zwischen Spannrahmen und Leinwand hatten sich Verformungen auf der Vorderseite des Gemäldes gebildet. Die Oberfläche war stark verschmutzt und wurde gereinigt und die Verformungen planiert, so dass der ursprüngliche Zustand weitestgehend wieder hergestellt werden konnte.

Objekt des Monats Juli 2012

Schreibzeug / Tintengeschirr

Herkunft und Datierung: Rendsburg, um 1772

Material: Steingut

Inv.-Nr.: HMR 9304

Dieses monochrom cremefarbene Schreibzeug (auch Tintengeschirr genannt) stammt aus der Rendsburger Fayencefabrik und wurde um das Jahr 1772 nach englischem Vorbild hergestellt. Es besteht aus zwei Stufen: der unterem zur Ablage der Schreibfedern und der oberen mit den originalen Einsatznäpfen für Tinte und Streusand. Dazwischen befindet sich ein Rocaille-Ornament, ein typisches Stilelement des Rokoko. Entsprechend dem Geschmack des Klassizismus blieb das Geschirr unbemalt.

Die Bezeichnung Fayence leitet sich von der italienischen Stadt Faenza ab, in der diese Art von Keramik seit dem 15. Jahrhundert hergestellt wurde. Es handelt sich dabei um eine Tonware, deren einmal vorgebrannte Scherben mit einer undurchsichtigen, meist weißen und mit Schaffeuerfarben (Unterglasurfarben) bemalten Zinnglasur überschmolzen sind.

Schleswig-Holsteinische Fayence-Manufakturen entstanden - wie überall in Deutschland und Dänemark – ab Mitte des 18. Jahrhunderts. Die Nachfrage nach Steingut und Fayence als Ziergeschirr wohlhabender Bauern und Bürger stieg stark an und man wollte mit dem Gründungs-Boom den Import von ausländischen Waren vermeiden. Die Rendsburger Fayencefabrik bestand von 1765 bis 1813 (und war somit eine der frühesten Steingutfabriken in Deutschland), wobei dort neben Fayencen später ausschließlich Steingutwaren hergestellt wurden. Betreiber waren Christian Friedrich Gottlob Clar, ein Apotheker, und der Kaufmann Jasper Lorentzen, die die Fabrik jedoch nach Zahlungsunfähigkeit an den Zollverwalter J.H. Halle(n)sen übergaben. Nach dessen Tod 1803 wurde die Manufaktur als Betriebsgemeinschaft unter Leitung des Buchhalters Thorer Olsen bis zum Staatsbankrott 1813 weitergeführt.  

Das Schreibzeug ist eine Stiftung der Fielmann AG, Hamburg.

Objekt des Monats August 2012

Kinderbecher

Herkunft und Datierung: Rendsburg, 1885

Material: Porzellan

Inventarnr.: HMR 4948

Dieser Kinderbecher war ein Geschenk eines Rendsburger Mädchens von seinen Eltern zur Einschulung. Das Mädchen hieß Emmy Weber, wie ein Schriftzug auf der Tasse verrät, und wurde zu Ostern 1885 in die erste Klasse eingeschult. Was das Wort „Leberfleck“ vor der Jahreszahl zu bedeuten hat, ist nicht bekannt.

Auf der mit goldenen und schwarzen Rändern verzierten Tasse sind verschiedene Szenen aus dem bevorstehenden Schulalltag sowie häusliche Szenen abgebildet. Zwei Mädchen mit Zöpfen sind gerade dabei, sich die Augen reibend aus ihren Betten aufzustehen: die Schule ruft. Auffällig sind die blau-weiß-roten (Schleswig-Holstein-)Wimpel und eine große schwarz-weiß-rote (Deutschland-)Flagge, die in einer Szene von einer Gruppe Menschen (Lehrkräfte mit schwarzen Zylindern und Schüler) durch das Schultor mit der Aufschrift „Heilige Ordnung“ getragen werden. Kurze Sinnsprüche ergänzen die Bilder, alle haben einen Bezug zur kleinen Emmy (wobei ihre genaue Bedeutung dem Betrachter unklar bleibt). Auf den Tassenboden sind ein Saiteninstrument und ein Buch aufgemalt.

Schon früher wurde der Tag der Einschulung besonders begangen und das Kind bekam Geschenke überreicht, die es auf den Schulalltag vorbereiten und den Übergang in den neuen Lebensabschnitt erleichtern sollten. Heute ist die Schultüte, reich gefüllt mit verschiedenen Utensilien für den Schulalltag sowie Süßigkeiten, das wohl populärste Geschenk. Die Einschulung findet heute nicht zu Ostern, sondern nach den Sommerferien statt. In welchem Alter genau das Kind eingeschult wird, unterliegt der Länderhoheit und richtet sich nach bestimmten Stichtagen. In der Regel ist dies mit 6 oder 7 Jahren, in einzelnen Fällen auch bereits mit 5 Jahren.

In Deutschland (bzw. damals Preußen) besteht die allgemeine Schulpflicht seit dem Jahre 1717.

Der Becher stammt aus der Porzellanmalerei Mau in der Mühlenstraße 111 in Rendsburg.  Einem Adressbuch von 1898 ist zu entnehmen, dass ein gewisser Wenzel Weber als Porzellanmaler in ebendiesem Geschäft tätig war. Es handelt sich hierbei um Emmys Vater, der seiner Tochter die Tasse als Geschenk zur Einschulung anfertigte.

Objekt des Monats September 2012

Marzipanform

Material: Gips, Schwefel

Herkunft und Datierung: Groß Wittensee, 1. Hälfte 20. Jahrhundert

Inv.nr.: HMR 9424

Diese runde Form aus Gips (äußerer Ring) und gehärtetem Schwefel (innere Form) für Marzipan zeigt eine Ansicht von Rendsburg: die „Christ u Garnisonkirche Rendsburg“, wie der Schriftzug unter dem Relief in Spiegelschrift verrät. Erst durch den Abdruck wird die korrekte Ansicht der Kirche deutlich; hier kann man sie nur erahnen.

Die Marzipanrohmasse wird auf die Form gedrückt, glatt abgestrichen und dann wieder entnommen, so dass ein reliefartiges Gebilde entsteht. Diese Form bepinselt der Bäcker anschließend mit Lebensmittelfarbe, um ihr noch mehr Plastizität und ein hübscheres Aussehen zu verleihen.

Marzipan hat seinen Ursprung im Orient und kam im Mittelalter durch die Araber nach Europa, wo es sich beim gehobenen europäischen Adel als Konfekt äußerster Beliebtheit erfreute. Üblicherweise wurde es zunächst wie andere Süßwaren von Apothekern hergestellt. Zur Zeit des Barock entdeckten die Zuckerbäcker Marzipan als Modelliermasse für kunstvolle Schaustücke. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts schließlich gründeten sich die ersten Marzipanmanufakturen, zu denen auch die bis heute bestehende und innerhalb (Nord-)Deutschlands wohl bekannteste von Johann Georg Niederegger in Lübeck gehört.

Die Marzipanform stammt aus der Bäckerei Priese in Groß Wittensee (im Historischen Museum Rendsburg befinden sich weitere Objekte aus dieser Bäckerei). Derartige Modelle waren und sind auch heute noch für Marzipanprodukte sehr beliebt. Marzipanrohmasse besteht aus  blanchierten und geschälten Mandeln und Zucker. Die Qualität des Marzipans ist umso höher, je niedriger der Zuckergehalt ist. Es hat die Eigenschaft, dass es sehr gut formbar und lange haltbar ist. So werden beispielsweise die beliebten Marzipanschweine gerne als süße Glücksbringer zu Silvester oder Geburtstagen verschenkt.   

Heutzutage bestehen Gussformen für Marzipan meist aus Kunststoff oder Aluminium, weil die Verwendung von Gips und Schwefel für diese Zwecke seit den 1950er Jahren gesetzlich verboten ist.

Objekt des Monats Oktober 2012

Zigarettenschachtel Chesterfield KING

Herkunft und Datierung: USA / Rendsburg, ca. 1950

Material: (Staniol-)Papier, Kunststoff, Tabak

Inventarnr.: HMR 9352

Diese Zigarettenschachtel der Marke Chesterfield KING (originalverpackt) steht beispielhaft für den aufkommenden Handel mit Zigaretten auf dem Schwarzmarkt in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg.

Die Versorgung mit Lebensmitteln nach dem Krieg war chaotisch. Schnell bildete sich ein Schwarzmarkt für Güter, die legal nur schwer zu bekommen waren. Zigaretten gehörten dazu und entwickelten sich trotz offiziellen Verbots des Schwarzmarktes zu einer beliebten „Währung“, mit der zwischen den Besatzungssoldaten und der deutschen Bevölkerung gehandelt wurde. Zu den Gütern, die mit der Zigarettenwährung erworben werden konnten, zählten neben Lebensmitteln auch jegliche Notwendigkeiten des täglichen Gebrauchs.

Ein norwegischer Wehrpflichtiger, der im Rahmen der „Tysklandsbrigade“ zwischen 1948 und 1953 in Rendsburg stationiert war, bekam pro Woche 50 Zigaretten und konnte sich von seinem Sold noch einige zusätzlich kaufen. Auf der Straße hatte eine Zigarette den Wert von 7-10 Reichsmark.  Das entspricht einer heutigen Kaufkraft von über 30 Euro.  

Die Marke Chesterfield wurde ursprünglich von der Drummond Tobacco Company of St. Louis im US-Bundesstaat Missouri entwickelt. 1873 wurde sie von der Liggett & Myers Tobacco Company (L&M), dem damals größten Kautabak-Produzenten der USA, übernommen und entwickelte sich im Zuge der maschinellen Verarbeitung zu einer der beliebtesten Zigarettenmarken in den USA. Die Popularität erreichte in den 1950ern ihren Höhepunkt, als Humphrey Bogart und James Dean sie zu ihrer Lieblingsmarke erkoren und der spätere US-Präsident Ronald Reagan Werbung für die Marke machte. Seit 1998 wird Chesterfield von Phillip Morris hergestellt.

Objekt des Monats November 2012

Laterna Magica

Material: Metall, Glas

Herkunft und Datierung: Rendsburg, 1920er/30er Jahre

Inv.-Nr.: HMR 4704

Die Laterna Magica ist ein Projektionsgerät, das bereits im 17. Jahrhundert erfunden und verwendet wurde und sich im Zuge der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert zum Massenmedium entwickelt hat. Sie gilt als Vorläufer der modernen Diaprojektion und der Filmprojektion.

Die Laterna Magica funktioniert nach dem umgekehrten optischen Prinzip der Camera obscura: Es handelt sich dabei um einen Kasten, in dem sich eine Lichtquelle befindet, deren Licht durch eine Öffnung und durch ein Linsensystem an der Vorderseite des Kastens nach außen dringt. Ein Hohlspiegel hinter der Lichtquelle erhöht die Helligkeit des austretenden Lichtstrahls. In die Bildführung, die zwischen Kasten und Linsensystem angebracht ist, werden Glasbilder eingeschoben und mit dem ausfallenden Licht auf eine Wand oder Leinwand projiziert.

Diese Laternenbilder wurden nicht nur als unterhaltsamer Zeitvertreib in geselligen Runden genutzt. Motive mit biblischen Szenen dienten der religiösen Erbauung, auf anderen finden sich ländliche Szenen, Bauwerke aus fernen Ländern oder Darstellungen wichtiger Zeitgeschichtlicher Ereignisse.

Die hier gezeigte Laterna Magica stammt aus den 1920er/30er Jahren und funktioniert mit einem Öllicht als Beleuchtung. Sie wurde als Kinderspielzeug, aber auch zur Erziehung genutzt. Die verschiedenen Glasplatten zeigen Themen wie lustige Alltagsszenen mit Mensch (und Tier), aber auch Märchenstoffe und kleine Geschichten, die sich aus mehreren Teilen zusammensetzten. Sie konnten nachgekauft werden und wurden u.a. von der Firma GBN Bavaria (= Gebrüder Bing) hergestellt.

Objekt des Monats Dezember 2012

Christbaumkerzenhalter

Material: Eisenblech, Blei

Herkunft und Datierung: Fockbek, um 1900

Inv.Nr.: HMR 4448

Diese beiden Tannenbaumkerzenhalter (sog. „Perpendikular“-Kerzenhalter, Bedeutung: senkrecht, aufrecht) dienten in der Zeit um die Jahrhundertwende als schmuckvolle Halterung für Kerzen am Weihnachtsbaum. Sie bestehen aus gepresstem und gestanztem sowie chromolithografisch bedrucktem Blech und stellen jeweils einen nur mit einem Lendentuch bekleideten Engel dar, der eine Posaune in der rechten Hand hält. Zur Stabilisierung und Ausrichtung des Kerzenhalters hängt an einem Bein des Engels ein zapfenförmiges Bleigewicht. Eine Pflanzenranke bildet einen gebogenen Haken oberhalb des Engels, mit dem man den Kerzenhalter an einen Tannenzweig einhängt. Auf diesem Henkel sitzt die Halterung für die Kerze, die eine stilisierte Blüte darstellt und zugleich das heruntertropfende Kerzenwachs auffangen soll.

In Zeiten, in denen man ohne elektrischen Strom auskommen musste, waren derartige Kerzenhalter aus Blech als Weihnachtsbaumschmuck sehr beliebt. Sie waren jedoch (im Gegensatz zu Kerzenhaltern, die mittels einer Klammer am Zweig befestigt werden) eine recht wackelige Angelegenheit und bedurften größtmöglicher Vorsicht. Nicht selten kommt es auch heute noch immer wieder zu Christbaumbränden aufgrund unzureichender Vorsichtsmaßnahmen, wenn anstatt elektrischer Beleuchtung echte Kerzen als Baumschmuck verwendet werden.

Objekt des Monats Januar 2013

Schlittschuhe

Herkunft und Datierung: Fockbek, 1930er Jahre

Material: Stahl

Inv.-Nr.: HMR 8525

Solch ein Paar Schlittschuhe erscheint vielen heutzutage vielleicht etwas befremdlich, doch mancher Vertreter älterer Generationen wird sich noch gut an derartige „Gefährten“ erinnern. Sie werden unter die eigenen Schuhe geschnallt und können somit an die jeweilige Schuhgröße des Trägers angepasst werden. Über den Kufen befinden sich zwei Aufsätze jeweils für die Vordersohle und den Absatz. Die Kufen haben eine Länge von 30,5cm. Die Schlittschuhe sind ein Produkt der Marke HUDORA und leicht angelaufen und haben teilweise Rost angesetzt. Zu den wohl ältesten Schlittschuhen aus der Zeit um 3000 v. Chr. zählen Forscher solche aus Rinder-, Pferde- und Rentierknochen, die in Skandinavien, der Schweiz, der Slowakei und im Gebiet des antiken Rom gefunden wurden. Mit Hilfe von zugespitzten Stöcken, die man ins Eis stemmte, bewegte man sich mit ihnen vorwärts. Vor etwa 800 Jahren glitten in den Niederlanden Boten mit Eisenkufen an Holzschuhen über die zugefrorenen Kanäle und überbrachten auf diese Weise eilige Nachrichten an adelige Empfänger. In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich das Schlittschuhlaufen zunächst zum Vergnügen des Adels und später auch zum Volkssport. Ab dem 14. Jahrhundert wurden Schlittschuhe vermehrt aus Holz gefertigt, in einen Eisenbeschlag eingefasst und mit Lederriemen am Schuh befestigt. Im Laufe des 18. Jahrhunderts wurden in Großbritannien die ersten Schlittschuhvereine gegründet. Mitte des 19. Jahrhunderts benutzte man Stahlkufen, die mit einer Schraube fest mit dem Schuh verbunden wurden. Heute fährt man als Freizeit-Schlittschuhläufer meist auf sogenannten Hartschalen-Schlittschuhen.

Objekt des Monats Februar 2013

„Fressnapf“

Herkunft und Datierung: Lager 7617 Magnitogorsk /Russland 1945 – 1949

Material: Aluminium, Eisendraht

Historisches Museum Rendsburg, ohne Inventarnummer

Diesen „Fressnapf“ trug der 1949 aus russischer Kriegsgefangenschaft entlassene 23jährige Wehrmachtssoldat  Heinrich Lau bei seiner Rückkehr bei sich.

Heinrich Lau wird  am 02. Mai 1926 in Itzehoe geboren. Anfang 1944 wird der noch 17jährige Junge eingezogen und bis Juni 1944 in Hamburg-Rahlstedt in einer Nachrichteneinheit zum Funker ausgebildet. Nach einer weiteren Stationierung in Munsterlager geht es für Heinrich Lau Anfang 1945 nach Labiau (Kurisches Haff)/Ostpreußen. Nach letzten Kriegswirren inmitten endloser Flüchtlingsströme, aufgelösten Wehrmachtseinheiten und einer desolaten Versorgungslage wird er am 9. Mai 1945 – einen Tag nach Kriegsende -  an der Weichselmündung von der Roten Armee mit zigtausenden eingeschlossenen deutschen Soldaten gefangen genommen.

Nach wochenlanger Eisenbahnfahrt im Güterwaggon– eingepfercht mit weiteren 60 Gefangenen – erreicht Lau das Lager 7617 in Magnitogorsk / Süd-Ural, über 2.000 km entfernt von Moskau.

Über Jahre quälende Ungewissheit über das weitere Schicksal, über Jahre nur durch spärliche und rationierte Post mit den Angehörigen in Itzehoe verbunden, zermürben Heinrich Lau mehr als die Entbehrungen des Lagerlebens : „Liebste Eltern! Ein fröhliches Weihnachtsfest und ein gesundes neues Jahr wünscht Euch in der Hoffnung, 1947 bei Euch zu sein, Euer Heiner“ – so schreibt er auf einer der vielen erhalten gebliebenen Postkarten und Briefe. Doch Lau muss weitere lange Monate und Jahre auf seine Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft warten.

Am 11. September 1949 erhält der Vater August Lau in Itzehoe ein erlösendes Telegramm aus dem Grenzdurchgangslager Friedland: „Ankunft Montag 11.05 – Heiner“.

Der ‚Fressnapf‘ erzählt die umfängliche Geschichte von Heinrich Lau, stellvertretend für unzählige Opfer des Krieges und des nationalsozialistischen Verbrecherregimes, welches vor 80 Jahren mit der „Machtergreifung“ begann und in der Katastrophe endete.

Objekt des Monats März 2013

Osterei als Zierobjekt

Herkunft und Datierung: Rendsburg, 1960er Jahre

Material: Pappe, Papier

Inv.-Nr.: 8349

Dieses Osterei diente als Zier- bzw. Schmuckobjekt zur Osterzeit und wurde nicht per Hand gefertigt, sondern industriell hergestellt. Es besteht aus zwei Teilen, die innen hohl und mit blau eingefärbter Holzwolle gefüllt sind. Möglicherweise wurden darin auch kleine Süßigkeiten oder Ähnliches versteckt. Außen schmücken spielende Küken auf einer Wiese das Ei, innen befindet sich ein Muster aus Hasen, Küken, Blumen und Ostereiern.

Den Brauch, Eier zu färben und als Schmuck und Dekoration für das Osterfest zu verwenden bzw. die bemalten Eier an Ostern zu verspeisen, gibt es bereits seit dem 13. Jahrhundert. Es handelt sich dabei um eine christliche Tradition, die in weiten Teilen Europas praktiziert wird. Das Ei symbolisiert nach christlichem Glauben die Auferstehung Christi. Die Verzierung der Eier reicht vom einfachen Bemalen bis hin zu aufwändigen Kratz- und Ätztechniken, wie sie insbesondere in den slawisch geprägten Teilen Europas angewendet werden. Hierzulande werden die Eier oft an einen Strauß aus Birkenzweigen gehängt oder noch kahle Äste freistehender Bäume damit geschmückt.

Besonders prunkvoll sind die kostbaren Ostereier des russischen Goldschmieds und Juweliers Carl Peter Fabergé, die sogenannten Fabergé-Eier. Sie wurden in dessen Werkstatt in St. Petersburg zwischen 1885 und 1917 im Auftrag des Zaren und anderer wohlhabender und einflussreicher russischer Bürger hergestellt und befinden sich heute in verschiedenen Sammlungen und Museen weltweit.

Objekt des Monats April 2013

„Kaminhund“

Herkunft und Datierung: England, 19. Jhd.

Material: Porzellan

Inv.-Nr.: HMR 3924

Auf den ersten Blick erscheint diese Hundefigur als harmloser und etwas kitschiger Tisch- oder Kaminschmuck, wie man ihn oftmals paarweise in Wohnräumen älterer Generationen antrifft. Der Hund aus Porzellan stammt jedoch ursprünglich aus England und wird auch „Kapitänshund“ oder „Puffhund“ genannt, weil er, was die wenigsten wissen, eine ganz besondere Bedeutung hatte. Da in England im 19. Jahrhundert unter Queen Victoria (Regierungszeit 1837-1901) die Prostitution offiziell verboten war, mussten sich die „leichten Mädchen“ etwas einfallen lassen, um ihr Gewerbe diskret weiterführen zu können. So stellten sie Porzellanhunde in die Fenster und signalisierten damit, ob sie gerade „frei“ waren und Besuch empfangen konnten. Saß der Hund mit dem Gesicht zum Fenster, wussten die Seeleute, die zu den häufigsten Kunden der Damen in den englischen Hafenstädten zählten, dass sie willkommen waren. Wenn nicht, drehte ihnen der Hund den Rücken zu. Viele solcher Hunde gelangten nach Deutschland, indem die Seeleute sie ihren Ehefrauen als „Souvenir“ von ihren Reisen mitbrachten, natürlich ohne die wahre Bedeutung und Herkunft zu verraten. So wanderten die Hunde von der Fensterbank der Bordelle auf den Kaminsims der kleinbürgerlichen Wohnzimmer.

Heute sind solche Porzellanhunde beliebte Sammlerstücke, ob mit oder ohne dem Wissen um ihre wahre Herkunft. Wie er ins Museum kam, lässt sich leider nicht mehr feststellen.

Objekt des Monats Mai 2013

Elektrischer Stopfpilz, sog. Stopflicht

Herkunft und Datierung: Rendsburg, ca. 1941-45

Material: Kunststoff, Metall, Holz

Inv.-Nr.: HMR 8742

Dieser elektrische Stopfpilz der Marke AEG, auch Stopflicht genannt, wurde während des 2. Weltkriegs hergestellt und sollte das Stopfen von Strümpfen und anderen Kleidungsstücken erleichtern.

Eine Info in der Gebrauchsanleitung erklärt dies wie folgt: „Es erleichtert die Stopfarbeit, weil das Gewebe von Innen durchleuchtet und die Beschädigung besser erkannt wird. […] Die Stopfstellen werden sauberer und sehen besser aus. Sehr wichtig, weil Strümpfe und Kleider jetzt länger getragen werden müssen!“ Durch Stromzufuhr mittels Steckertrafo (Wechselstrom, 220 bzw. 4 Volt) konnte der Stopfpilz beleuchtet werden. Daraus ergibt sich eine weitere Funktion, die im Kontext des 2. Weltkriegs von Bedeutung ist: Der Stopfpilz konnte nämlich, wie es in der Gebrauchsanweisung heißt, auch als „Handlampe, besonders während der Verdunkelung“, genutzt werden. Wem das Licht zu hell war, der konnte es mit Hilfe einer selbst gebastelten Blende, für die ein Schnittmuster in der Verpackung beilag, etwas dimmen.

Erfunden hat den Stopfpilz angeblich Konrad Adenauer, dem die AEG jedoch das Patent entzogen haben soll. Beweisen lässt sich diese Hypothese allerdings nicht. Außer Zweifel ist jedoch, dass die Produktion des Stopflichtes aufgrund zu geringen Absatzes relativ schnell wieder eingestellt wurde.

Heutzutage ist der Stopfpilz (wie auch die Nachfolgevariante, das Stopfei) nahezu in Vergessenheit geraten und kommt so gut wie nicht mehr zum Einsatz. Statt gestopft wird neu gekauft.

Objekt des Monats Juni 2013

Schreibmaschine AEG „Mignon“

Herkunft und Datierung: Erfurt/Aukrug, nach 1924

Material: Holz, Metall, Kunststoff

Inv.-Nr.: HMR 9555

Diese Zeigerschreibmaschine der Firma AEG wurde ab 1924 unter dem Namen „Mignon Modell 4“ in Erfurt hergestellt. Das erste Mignon-Modell entwickelte Friedrich von Hefner-Alteneck, ein deutscher Konstrukteur, Elektrotechniker und Ingenieur, 1903. Es folgten weitere Modelle der Mignon, die von der AEG bis 1934 gebaut wurden. Das Besondere an dieser Schreibmaschine ist, dass als Träger der Typen (Zeichen bzw. Buchstaben) eine sogenannte Typenwalze (Typenzylinder) genutzt wurde. Diese Typenwalze konnte gegen insgesamt mehr als 36 verschiedene Walzen ausgetauscht werden, darunter auch welche mit kyrillischen Zeichen. Außerdem gehörte zu jeder Typenwalze ein ebenfalls austauschbares Tableau (Feld mit Buchstaben), das unter den Zeiger in die Mignon eingespannt wurde.

Die Bedienung der Mignon Modell 4 funktionierte folgendermaßen: Mit der linken Hand führte man den Zeiger über das jeweils gewünschte Zeichen. Durch gekoppelte Mechanik stellte sich die Typenwalze automatisch mit dem entsprechenden Zeichen über das Papier. Betätigte man nun die Abdrucktaste mit der rechten Hand, druckte die Typenwalze das Zeichen auf das Papier. Mit einer zweiten Taste konnte ein Leerzeichen gesetzt werden. Hinzu kam eine sogenannte Rücktaste, mit deren Hilfe der Schreibwagen um einen Schreibschritt zurück transportiert werden konnte, um Korrekturen vorzunehmen. Die ersten Ausführungen des Modells 4 hatten noch einen Walzendrehknopf aus Metall (später aus Gummi) und keine Rücktaste. Für den Transport diente ein Holzkoffer mit abnehmbarem Deckel.

Bis zur Durchsetzung des Computers bestimmten Schreibmaschinen ab etwa 1900 rund 100 Jahre lang das Bild in den Büros und auf heimischen Schreibtischen. Ursprünglich waren sie Mitte des 19. Jahrhunderts als Schreibgeräte für Blinde erfunden worden, konnten sich als solche jedoch nicht auf dem Markt etablieren.

Objekt des Monats Juli 2013

Taschenuhr

Herkunft und Datierung: Rendsburg, Mitte 19. Jhd.

Material: Messing, Glas, Metall

Inv.-Nr.: HMR 8978

Bei dieser goldenen Herren-Taschenuhr aus der Mitte des 19. Jahrhunderts handelt es sich um eine sogenannte Repetieruhr mit Schlagwerk. Die Besonderheit dieser auch Wiederholungsuhr genannten Taschenuhr liegt in einem (neben dem gewöhnlichen Gangwerk angebrachten) zusätzlichen sogenannten Repetierwerk, das bestimmte Uhrzeiten, etwa jede volle Stunde oder jede Viertelstunde, mittels eines hörbaren Schlages angibt, ohne dass der Träger der Uhr auf das Ziffernblatt zu schauen braucht.  Hierfür setzt eine spezielle Feder im Repetierwerk, die nicht wie eine gewöhnliche Feder aufgezogen, sondern nur etwas gespannt wird, das Laufwerk in Bewegung und bringt die Hämmer zum Schlagen. Diese Repetiervorrichtung gibt es auch bei Pendeluhren, die zu bestimmten Uhrzeiten schlagen.

Die Taschenuhr liegt in einem Holzkästchen, das mit dunkelrotem Samt bezogen ist. Zur Ausstattung des Kästchens gehören zwei Aufziehschlüssel sowie eine alternative Kettenbefestigung für die Uhr. Der Glasdeckel ist lose und wird daher provisorisch mit einem Klebestreifen zusammengehalten. Der genaue Hersteller der Uhr ist leider nicht bekannt.

Der englische Uhrmacher Edward Barlow gilt als Erfinder der Repetieruhren. Er baute die erste Taschenuhr dieser Art im Jahre 1691.

Der Besitz einer kunstvoll gearbeiteten Taschenuhr war immer ein Symbol von Reichtum, da derartige Uhren aufgrund ihrer feinen Mechanik sehr teuer waren. Heute sind sie beliebte Sammlerstücke.

Objekt des Monats September 2013

Holztafel mit Ansicht der Rendsburger Hochbrücke

Herkunft und Datierung: Rendsburg, 1914

Material: Holz, Papier

Inv.-Nr.: HMR 5796

Diese geschnitzte, mit buntem Rosenmuster verzierte Holztafel zeigt in ihrer Mitte eine ovale Ansicht der Rendsburger Hochbrücke, bei der es sich um eine Reproduktion eines Fotos handelt. Zu sehen ist die „S.M.S. Hohenzollern“, die die Hochbrücke passiert, ein Ereignis, das im Jahre 1914 stattfand und das zum Motiv etlicher Ansichten der Hochbrücke wurde. Unterhalb des Bildes ziert ein Schleifenband mit geschnitztem Schriftzug „Erinnerung an Rendsburg“ die Tafel. Das Bild weist starke Gebrauchsspuren auf.  

Souvenirs wie derartige Holztafeln, Wandteller, Postkarten, Gedenkmünzen, Schmuck, Weine und sogar Pralinen und Zuckertütchen mit Ansichten und Darstellungen der Hochbrücke sind auch heute noch sehr beliebt als Teil des Rendsburger Stadtmarketings. Das 100-jährige Jubiläum der Hochbrücke, das in diesen Tagen begangen wird, ist ein willkommener Anlass die „Eiserne Lady“ zu feiern und ein buntes Programm auf die Beine zu stellen.

Die Museen im Kulturzentrum zeigen in diesem Zusammenhang vom 7. September bis 6. Oktober 2013 eine Sonderausstellung zu Friedrich Voss (1872 – 1953), dem Erbauer der Hochbrücke. Darin werden neben zahlreichen Dokumenten zum Leben und Wirken Voss’ auch einige Souvenirs rund um die Hochbrücke zu sehen sein.

Objekt des Monats Oktober 2013

Polaroid-Kamera

Herkunft und Datierung: Breiholz, 1974

Material: Leder, Kunststoff, Metall, Papier

Inv.-Nr.: HMR 9160

Diese sog. Polaroid-Kamera des Typs SX-70 ist eine Spiegelreflex-Faltkamera und kam 1972/73 auf den amerikanischen und 1974 auf den europäischen Markt. Sie steckt zusammen mit einer Bedienungsanleitung  in einer ledernen Tasche und kann durch spezielle Handgriffe ausgeklappt und wieder zusammengefaltet werden.

Als Erfinder der Polaroid-Kamera gilt der amerikanische Physiker Edward Herbert Land, der 1933 ein Patent für Polarisationsfolien anmeldete, die die Grundlage für die Sofortbildkamera bildeten. 1937 gründete er in Boston eine eigene Firma mit dem Namen Polaroid. Weil seine Tochter nicht abwarten konnte, bis die Fotos aus dem Familienurlaub im Labor fertig entwickelt waren, erfand Land nach einigem Tüfteln 1948 die erste Sofortbildkamera (Typ 95, genannt „Land Camera“), bei der erstmals ein Schnellentwicklungsverfahren zum Einsatz kam, das noch an Ort und Stelle das belichtete Negativ auf ein Positiv übertrug. Nach etwa 30 bis 90 Sekunden konnte man das fertige Foto-Positiv vom Negativ lösen und seitlich aus der Kamera herausziehen. Das Negativ konnte jedoch nicht weiter verwendet werden.

Der 1972/73 entwickelte SX-70-Film war ein sog. Integralfilm und hatte den Vorteil, dass das Positiv nicht mehr vom Negativ getrennt werden musste und somit keinen Abfall hinterließ. Mit ihm konnten zunächst acht, später zehn Aufnahmen gemacht werden.

Polaroid-Kameras waren in den 1970ern äußerst populär, sowohl für den privaten Gebrauch als auch in der Fotokunst. Im Jahre 2008 stellte die Firma Polaroid die Produktion von Sofortbildkameras zu Gunsten von Digitalkameras ein, brachte jedoch 2010 mit der Polaroid 300 erneut eine analoge Sofortbildkamera auf den Markt.

Objekt des Monats November 2013

Lorgnette

Herkunft und Datierung: Rendsburg, um 1830

Material: Schildpatt, Glas

Inv.-Nr.: HMR 4330-14

Diese aus heutiger Sicht etwas ungewöhnlich anmutende Brillenform, auch unter der Bezeichnung Lorgnon bekannt, hat ihren Ursprung im 18. Jahrhundert in England. Der Optiker George Adams brachte um 1780 die erste starre Lorgnette auf den Markt. Diese ging aus der sog. Scherenbrille hervor, die schon im 15. Jahrhundert bekannt war und bei der man den Stiel zum Halten an die Seite klappte. Im Jahre 1818 erfand der französische Optiker M. Lepage die zierliche Gelenklorgnette. Indem er in der Mitte des Steges ein Gelenk einfügte, konnten die Gläser bei Nichtgebrauch übereinander eingeschlagen werden. Nach 1828 versahen die Optiker das Steggelenk mit einer Feder- oder Springvorrichtung. Diese Springlorgnetten bildeten die bevorzugten Sehhilfen der Biedermeierzeit. Sie wurden oftmals aus wertvollen Materialien hergestellt und dienten vielen Damen der feinen Gesellschaft als unentbehrlicher Modeartikel. Auch bei Maskenbällen waren sie beliebte Utensilien. Außerdem wurden sie als Sehhilfe in Oper und Theater genutzt und dienten somit als Vorläufer des Opernglases.

Die letzten Lorgnetten wurden in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts getragen. Heute trifft man sie nur noch selten an, da sie neben den modernen Brillengestellen recht exotisch erscheinen und  für den alltäglichen Gebrauch eher unpraktisch sind.

Bei unserer Lorgnette dient die Hülle der einklappbaren Gläser zugleich als Griff zum Halten der Gläser. Sie ist aus Schildpatt gefertigt und hat an einem Ende eine Öse zum Anbringen einer Kette oder Schnur.

Sie stammt von der Schwiegermutter des Rendsburger Landrates Klaus Brütt, der von 1891 bis 1919 im Amt war.

Objekt des Monats Dezember 2013 und Januar 2014

Blechspielzeug Schneckenpost

Herkunft und Datierung: Rendsburg / Nürnberg, 1951-58

Material: Weißblech, Metall, Wolle

Inv.-Nr.: HMR 9508-283

Diese Schneckenpost stammt aus der Sammlung Jahnke und zeigt einen Zwerg mit bunter Kleidung, der auf einer Schnecke reitet. In der rechten Hand hält er die „Zügel“, in der linken eine Glocke, die durch einen Uhrwerksantrieb zum Klingeln gebracht werden kann. Durch die Bewegungsmechanik hebt der Zwerg außerdem beide Arme in die Höhe und die Fühler der Schnecke wippen auf und ab. Das Blechspielzeug stammt von der Firma Blomer & Schüler in Nürnberg und wurde zwischen 1951 und 1958 für den deutschen Spielzeugmarkt produziert.  Die Firma bestand von 1919 bis 1974, spezialisierte sich jedoch erst ab 1930 auf die Produktion von Blechspielzeug, insbesondere auf mechanische Tiere und menschliche Figuren.  

Die Schneckenpost ist heute in Sammlerkreisen ein äußerst seltenes Stück. Daher ist sie auch in dem in Kürze erscheinenden Katalog zur Blechspielzeugsammlung Jahnke zu sehen, der von den Museen im Kulturzentrum zusammengestellt wurde. Darin enthalten ist ein Großteil der Blechspielzeuge, die seit Ende 2011 in einer eigens dafür hergerichteten Abteilung des Historischen Museums in mehreren Vitrinen ausgestellt sind.

Objekt des Monats Februar 2014

Reservistengläser

Herkunft und Datierung: Rendsburg, 1912

Material: Glas

Inv.-Nr.: HMR (noch nicht vergeben)

Ein Sammlungsschwerpunkt der Museen im Kulturzentrum ist die 350jährige Garnisonsgeschichte der Stadt Rendsburg, denn seit 1665 beherbergte die Stadt dauerhaft militärische Einheiten. Mit der Schließung der Feldwebel-Schmidt-Kaserne endete diese prägende Zeit jedoch 2010. Im Historischen Museum gibt es aber noch zahlreiche Andenken an jene Zeit, als das Militär im Stadtbild noch allgegenwärtig war. Darunter befinden sich auch zwei Gläser des  Reservisten Otto Weidner.

Weidner leistete zwischen 1910 und 1912 seinen Dienst beim Schleswig-Holsteinischen Train Bataillon Nr. 9 in Rendsburg ab. Das Bataillon war eines von insgesamt 19 neupreußischen Trainbataillonen und hatte seinen Standort in Friedenszeiten in Rendsburg. Hauptaufgabe des Trains im Kriegsfall war die Versorgung der kämpfenden Truppe und der Transport militärischer Güter. Aus diesem Grund waren es häufig Handwerker, die zum Train eingezogen wurden. Anders als in anderen Einheiten, war ihre Dienstzeit kürzer. Sie mussten statt drei Jahren, nur anderthalb bis zwei Jahre dienen.

Die beiden Gläser erhielt Otto Weidner „Zum Andenken an meine Dienstzeit b. d. [Anm.: bei dem] 1. Op. Schlesw. Holst. Train Bat. No: 9.“. Sie enthalten neben der Inschrift, das Zeichen des 9. Trainbataillons sowie die Farben des Deutschen Reiches (schwarz, weiß, rot). Auf einem der Gläser sind zusätzlich die Initialen des ehemaligen Besitzers in das Bild eingearbeitet worden.

Über den einstigen Besitzer der Gläser wissen wir nicht viel. Es liegt allerdings nahe, dass Weidner vor ziemlich genau 100 Jahren als Reservist im Ersten Weltkrieg eingezogen wurde. Ob er diesen überlebte ist ungewiss.

Objekt des Monats März 2014

Brennhexe

Herkunft und Datierung: Rendsburg, 1945

Material: Eisenblech

Inv.-Nr.: HMR 5730

Hunger, Kälte und Wohnungsnot gehörten für viele Menschen während und nach dem Zweiten Weltkrieg zum Alltag. Ganz besonders hatten die zahlreichen Flüchtlinge mit diesen Problemen zu kämpfen. Mehrere hunderttausend Menschen kamen mit dem Ende des Krieges nach Schleswig-Holstein. Auch Rendsburg nahm unzählige Flüchtlinge auf, so dass bereits am 1. Mai 1946 mehr Flüchtlinge als Einheimische in Rendsburg lebten.

Der Einsatz einer sogenannten Brennhexe oder auch Kochhexe genannt, milderte zumindest teilweise zwei der drängendsten Probleme: Zum einen konnten die Menschen auf einfache Weise kochen, zum anderen spendete die Brennhexe etwas Wärme. In den Notunterkünften der Flüchtlinge war dies häufig die einzige Wärmequelle. Der Aufbau ist denkbar einfach: Ganz unten befindet sich ein Auffangbehälter für die Asche, darüber eine Öffnung für das Brennmaterial und ganz oben lässt sich ein Topf einsetzen.

Diese simple Koch- und Heizeinrichtung konnte mit wenig arbeits- und Materialaufwand selbst hergestellt und auch ohne Schornsteinanschluss betrieben werden. Ein weiterer Vorteil lag darin, dass unterschiedlichste Brennmaterialien wie beispielsweise Holz, Briketts oder Torf verwendet werden konnten: Nicht selten bringen schwierige Situationen ungewöhnliche Lösungen hervor. Die Brennhexe ist nur eines von vielen Beispielen, die in den Museen im Kulturzentrum zu sehen sind.

Objekt des Monats April 2014

Krimschild

Herkunft und Datierung: Rendsburg, 1942


Material: Eisenblech


Inv.-Nr.: HMR 9441


Ein Museum beschäftigt sich mit der Vergangenheit. Nicht immer erschließt sich sofort der Sinn in der Bewahrung alter Gegenstände. Doch die Hinwendung zur Geschichte ermöglicht unter anderem auch ein besseres Verständnis aktueller Konflikte. Eine Auszeichnung der Wehrmacht kann uns beispielsweise auf die komplizierte und wechselhafte Geschichte der Krim aufmerksam machen.
Bereits im 18. Jahrhundert war die Krim Objekt machtpolitischer Interessen und Auseinandersetzungen. Damals eroberte die russische Zarin Katharina II. die zu dem Zeitpunkt noch osmanische Halbinsel. Mitte des 19. Jahrhunderts kam es zu einem erneuten Krimkrieg zwischen Russland und dem Osmanischen Reich. Am Ende des Ersten Weltkriegs besetzten deutsche Truppen die Krim und 1921 gliederten die Bolschewiki sie als autonomes Gebiet in die Sowjetunion ein. Seit 1954 gehörte sie schließlich zur Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik.
Das Objekt des Monats erzählt von einer weiteren Phase des Kampfes um die Krim. Bereits kurz nach Beginn des Zweiten Weltkrieges besetzte die Wehrmacht die Halbinsel. Die Besetzung dauerte mehr als zwei Jahre an und konnte erst 1944 von der Sowjetunion beendet werden. Nach Plänen der Nationalsozialisten sollten dort, wo angeblich einst die Goten lebten, deutsche Siedler sesshaft werden. Der von Adolf Hitler gestiftete Krimschild sollte an die „heldenhaften Kämpfe um die Krim“ erinnern und wurde am linken Oberarm der Uniform getragen. Schätzungsweise 250.000 Soldaten bekamen den Krimschild verliehen.
Durch die Jahrhunderte hinweg war die Krim symbolischer Ort und umkämpftes Gebiet zugleich. Ein Spannungsverhältnis, das ein großes Konfliktpotential in sich birgt und sich auch im aktuellen Krimkonflikt zeigt.

Objekt des Monats Mai 2014

Tasse des königlichen Lehrer-Seminars

Herkunft und Datierung: Rendsburg, 1. Hälfte 20. Jahrhundert

Material: Porzellan

Inv.-Nr.: HMR 9588

Nach der Christian-Timm-Schule 2013 feiert in diesem Jahr nun auch das Helene-Lange-Gymnasium einen runden Geburtstag. Zu feiern gibt es das 125-jährige Jubiläum der Schule. Während des gesamten Schuljahres bietet die HeLa ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm. Ab dem 3. Juni wird in diesem Zusammenhang eine Sonderausstellung unter dem Titel „125 Jahre HeLa“ in den Museen im Kulturzentrum zu sehen sein. Einen Vorgeschmack auf die Ausstellung bietet unser Objekt des Monats.

Vorläufer des Helene-Lange-Gymnasiums war die Höhere Mädchenschule, die der Bildung bürgerlicher Mädchen diente. Sie war ein Zusammenschluss zweier privater Mädchenschulen und nahm 1891 den Unterricht mit 171 Schülerinnen auf. Die Schule war zunächst in den Räumlichkeiten der ehemaligen Privatschulen untergebracht, zog aber bereits 1892 in einen Neubau um, welcher 1911 renoviert und erweitert wurde.

Auf dem Objekt des Monats ist ein Teil des heutigen Gebäudes der HeLa abgebildet. Zu sehen ist das Gebäude des königlichen Lehrer-Seminars, welches 1912 eingeweiht wurde und ein Seminar zur Ausbildung angehender Lehrer beherbergte. Als das Seminar 1926 auszog, nutzte zunächst die Aufbauschule das Gebäude, bis schließlich die Mädchenschule die Räumlichkeiten des ehemaligen Lehrerseminars bezog.

Seitdem hat sich aus der traditionellen Mädchenschule ab 1973 im Zuge der Koedukation ein modernes Gymnasium für Jungen und Mädchen entwickelt.

Objekt des Monats Juni 2014

Kräuterbuch: „Künstliche Conterfeytunge der Bäume, Stauden, Hecken, Kreuter, Getreide und Gewürze“ von Adam Lonitzer

Herkunft und Datierung: Frankfurt a.M., 1582

Material: Papier

Buchnummer: HMR 368

Mit der Erfindung der beweglichen Lettern löste Johannes Gensfleisch, besser bekannt unter dem Namen Gutenberg, im 15. Jahrhundert eine wahre Medienrevolution aus.

Bis zur Erfindung des Buchdrucks waren Bücher etwas sehr Wertvolles, da in ihnen sehr viel Arbeit steckte. Jedes einzelne Exemplar wurde meist in Klöstern von Hand abgeschrieben. Dies war sehr zeitintensiv und mühsam. Entsprechend wertvoll war jedes Exemplar. Große Auflagen konnten auf diese Weise nicht hergestellt werden.  Die meisten Menschen konnten ohnehin weder lesen noch schreiben. Bücher wurden daher vor allem von Geistlichen und dem Adel gelesen. Die Inhalte der Texte waren dementsprechend stark religiös geprägt.

Durch die Entwicklung des Buchdrucks kam es zu einer Demokratisierung. Das sich bildende Bürgertum verlangte zunehmend nach Bildung und Unterhaltung. Die traditionelle Methode des Abschreibens konnte einen so großen Bedarf nicht decken. So stieß der neu entwickelte Buchdruck auf fruchtbaren Boden. Im Zuge dieser Entwicklungen kam es auch zu einer Verbreiterung des Themenspektrums der Bücher. Neben den klassischen christlichen Texten, wurden zunehmend auch unterhaltsame und populärwissenschaftliche Bücher produziert.

Ein sehr schönes Beispiel für den neuen Themenreichtum, den der Buchdruck hervorgebracht hat, ist das hier dargestellte Kräuterbuch aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert. Dieses und weitere Bücher aus der Frühzeit des Buchdruckes sind im Druckmuseum zu sehen.

Objekt des Monats Juli 2014

Signierter WM-Ball

Herkunft und Datierung: Zürich, 2014

Material: Kunststoff

Inv.-Nr.: Leihgabe aus Privatbesitz von Kai Voss

Der Juli steht im Zeichen von König Fußball. Ganz Deutschland ist im Fußballfieber, so auch die Museen im Kulturzentrum. Am 13.07.2014 wird sich in Rio de Janeiro entscheiden, wer neuer Fußballweltmeister wird. Bis dahin können alle Fußballfans hoffen, dass ihre Mannschaft den begehrten Pokal mit nach Hause nehmen darf.

Passend zur Fußballweltmeisterschaft präsentieren die Museen im Kulturzentrum zahlreiche signierte Sportobjekte. Ein ganz besonderes Objekt ist dieser Fußball. Er ist eine Leihgabe des privaten Sammlers Kai Voss. Seit 1995 sammelt dieser Autogramme von Sportlern. Über die Jahre ist eine beachtliche Sammlung entstanden. Einige Glanzstücke dieser Sammlung sind ab sofort im Foyer des Kulturzentrums und im Museumscafé zu bewundern. Die Sammlung beinhaltet unzählige Autogrammkarten, zahlreiche signierte Trikots, Torwarthandschuhe, Boxhandschuhe und einige Bälle. Highlights sind unter anderem die Handschuhe von Robert Enke und die Boxhandschuhe von Wladimir Klitschko, dem Kai Voss beim Training zuschauen durfte und der ihm im Anschluss seine signierten Handschuhe schenkte.

Ein paar Monate vor der WM in Brasilien hat Kai Voss den FIFA-Präsidenten Sepp Blatter angeschrieben und um einen signierten Ball gebeten. Wenige Wochen vor Beginn der WM bekam er als Antwort diesen handsignierten Fußball aus Zürich zugeschickt. Es ist der offizielle WM-Ball mit der Unterschrift von Sepp Blatter.

Kai Voss hat sich sehr über den Ball gefreut und ist glücklich ihn nun einem großen Publikum präsentieren zu können.

Objekt des Monats August 2014

Fotografie zur Erinnerung an die Mobilmachung 1914

Herkunft und Datierung: Rendsburg, 1914

Material: Papier

Inv.-Nr.: Nicht vergeben

Am 01. August 1914, also vor genau 100 Jahren, gab Wilhelm II. den Befehl zur Mobilmachung des deutschen Heeres und der deutschen Flotte. Ein Tag später folgte die Kriegserklärung an Russland. Der Erste Weltkrieg hatte begonnen.

Im gesamten Kaiserreich kam es nach Bekanntwerden der Mobilmachung von zwei Millionen Soldaten zu öffentlichen Freudenbekundungen, die als Augusterlebnis in die Geschichtsbücher eingegangen sind. In der Öffentlichkeit verbreitete sich ein Selbstbild von Kraft und nationaler Geschlossenheit.

Auch in der Garnisonstadt Rendsburg zeigte sich die Bevölkerung im August 1914 voller Begeisterung. In der Lokalpresse erschien beispielsweise unter dem Titel „Auf dem Bahnhof“ ein Gedicht in dem es heißt:

„Es rollen die Räder. Hin fliegt der Zug. Soldaten, Soldaten übergenug! Und immer neue bei Tag und Nacht - Entgegen dem Kampf, entgegen der Schlacht: Ran an den Feind! […] Wohin wir fahren? Ort unbekannt, Bloß für Kaiser und Reich und Heimatland: Ran an den Feind!“

Zu den besungenen Soldaten gehörten auch Oberstleutnant v. Pannewitz und seine Kameraden vom Bezirkskommando Rendsburg. Jene 17 Mann vom Erinnerungsfoto, die 1914 für „Kaiser, Reich und Heimatland“ in den Krieg zogen.

Der Erste Weltkrieg endete 1918 mit einer schrecklichen Bilanz: schätzungsweise 8,5 Millionen Gefallene und über 21 Millionen Verwundete, unter ihnen auch unzählige Rendsburger. Zum Gedenken an den Ersten Weltkrieg stehen noch heute zahlreiche Denkmäler in Rendsburg.

Objekt des Monats September 2014

Speisekarte: Milchbar am Jungfernstieg

Herkunft und Datierung: Rendsburg, 1960er Jahre

Material: Papier

Inv.-Nr.: Nicht vergeben

Am 8. Mai 1945 war der Zweite Weltkrieg vorbei. Für viele Menschen hatte das Leid aber noch kein Ende. Millionen Menschen waren auf der Flucht aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten. Ein großer Strom von Flüchtlingen und Vertriebenen kam auch nach Rendsburg.

Die ersten kamen schon während des Krieges in die Stadt. Sie waren zum größten Teil aus Hamburg, das durch Bombenangriffe stark zerstört worden war, geflüchtet. Nach Kriegsende kamen tausende Vertriebene aus den ehemaligen Ostgebieten hinzu, so dass 1946 mehr Flüchtlinge als Einheimische im Kreis Rendsburg lebten.

Viele der Flüchtlinge blieben in Rendsburg, so auch Eva Haarhaus. Am 14.12.1910 in Brandenburg an der Havel geboren, kam sie nach Kriegsende als Flüchtling nach Rendsburg. Sie zählte zur Flüchtlings-Gruppe A, denn sie hatte vor 1938 in den deutschen Ostgebieten gelebt. Binnen weniger Jahre baute sie sich in Rendsburg eine neue Existenz auf. Zwischen 1955 und 1967 betrieb sie am Jungfernstieg die beliebte Milchbar. Viele Rendsburger erinnern sich immer noch gerne an das Lokal am Jungfernstieg, das es seit vielen Jahrzehnten nicht mehr gibt.

Die Geschichte von Eva Haarhaus und ihrer Milchbar ist nur eine von vielen, die zeigt, dass Migrantinnen und Migranten das Leben in Rendsburg seit jeher mitgestaltet und bereichert haben. Weiteren solchen Geschichten soll während der Interkulturellen Woche 2014 nachgegangen werden. Für 2015 ist zudem eine Sonderausstellung zum Thema Migration in Rendsburg geplant. Wer Interesse hat, sich an der Ausstellung mit der eigenen Geschichte zu beteiligen, ist eingeladen, sich an einem Workshop am 21.09.2014 von 14:00 – 17:00 Uhr in die Museen im Kulturzentrum zu beteiligen. 

Objekt des Monats Oktober 2014

Feuerlöscheimer

Herkunft und Datierung: Ehndorf, 1820

Material: Leder, Naturfaser-Seil

Inv.-Nr.: HMR 4312

Diesen Monat präsentieren die Landeszeitung und die Museen im Kulturzentrum Rendsburg einen ledernen Feuerlöscheimer aus dem 19. Jahrhundert als Objekt des Monats.

Der Feuerlöscheimer besteht aus rotbraunem Leder. Als Griff ist ein mit Leder umwickeltes Naturfaser-Seil angebracht. Die Aufschrift lautet: „M. Brandt. Ehndorf No 9. 1820.“ und verweist damit auf den einstigen Besitzer, den Herkunftsort und das Anschaffungsjahr des Eimers.

Jeder Hausbesitzer war damals dazu verpflichtet einen solchen Feuerlöscheimer zu besitzen und für den Fall eines Brandes zur Verfügung zu halten. In regelmäßigen Abständen kamen die Eimer in Rendsburg zum Einsatz. Ein Eindämmen der Brände war auf diese Weise jedoch kaum möglich, so dass mehrere Stadtbrände große Teile der Stadt verwüsteten. Für das 13. Und 14. Jahrhundert sind gleich mehrere größere Stadtbrände überliefert. Im Jahr 1862 brannte zudem das Provianthaus bis auf die Grundmauern nieder.

Für die Schleswig-Holsteinische Erhebung im Jahr 1848 spielten diese Eimer ebenfalls eine entscheidende Rolle: Nachdem am 24. März 1848 bewaffnete Schleswig-Holsteiner am Paradeplatz aufmarschiert waren, ließen sie Feueralarm schlagen. Die Soldaten der Garnison eilten mit Feuerlöscheimern bewaffnet zum Paradeplatz, um das vermeintliche Feuer zu löschen. Dieser kluge Schachzug führte unter anderem dazu, dass die Festung Rendsburg kampflos an die Aufständischen übergeben wurde und an diesem Tag keine Toten zu beklagen waren.

Noch bis etwa 1900 waren die Feuerlöscheimer im Einsatz. Eine erste Feuerspritze erhielt die Stadt zwar schon 1695, doch modernere Spritzen kamen erst ab dem 19. Jahrhundert in Umlauf. 

Objekt des Monats November 2014

Teil der Transall „Rendsburg“

Herkunft und Datierung: LTG Hohn, 2013

Material: Stahl

Inv.-Nr.: Nicht vergeben

Am 30. April 1968 erhielt das Lufttransportgeschwader 63 (LTG 63) in Hohn die Transall mit der Kennung 50+06 ausgeliefert. Bis zum letzten Flug am 10. Januar 2012 absolvierte die Maschine mehr als 11.000 Laufzeitstunden und über 10.000 Landungen. In ihrer fast 44 Jahre dauernden Dienstzeit legte die Maschine bis zu fünf Millionen Kilometer zurück.

Auffällig an der Maschine war der Schriftzug „Rendsburg“. Mit Beschluss der Ratsversammlung vom 11. November 1993 übernahm die Stadt Rendsburg die Patenschaft für das Transportflugzeug und unterstrich damit die enge Verbindung von Bundeswehr und Stadt.

Nachdem die „Rendsburg“ 2012 ausgemustert worden war, diente sie noch einige Zeit als Ausbildungsflugzeug. Im vergangenen Jahr wurde sie schließlich verschrottet. Doch die Kennung des Flugzeuges sowie der Name mit Stadtwappen wurden vor der Verwertung herausgetrennt. Diese Erinnerungsstücke übergab der Kommodore des LTG 63, Oberst Hartmut Zitzewitz, den Museen im Kulturzentrum zusammen mit dem Gästebuch des Fliegers. Unter den Gästen an Bord der „Rendsburg“ befand sich unter anderem der damalige Innenminister Otto Schily oder Rendsburgs ehemaliger Bürgermeister Andreas Breitner.

Die „Rendsburg“ war die erste Transall des Typs C-160 der Luftwaffe. Mit der 50+06 endet bald auch die Zeit der verbliebenen Transall-Maschinen. Sie werden nach und nach durch den Airbus A-400 M ersetzt.

Objekt des Monats Dezember 2014

Tuborg Weihnachtspilsener Adventskalender

Herkunft und Datierung: Rendsburg, 2001

Material: Pappe

Inv.-Nr.: Nicht vergeben

Nicht alles was in einem Museumsmagazin lagert hat zwangsläufig einen historischen Wert. Museumsobjekte können auf sehr unterschiedlichen Wegen ins Museum kommen: Die meisten Objekte sind Spenden von geschichtsinteressierten Bürgern oder von gemeinnützigen Stiftungen; einige wenige Objekte wurden auf Grund ihrer besonderen Relevanz für das Museum angekauft; daneben gibt es noch Objekte die man als „Dekoration“ bezeichnen könnte.

Während der vergangenen Monate haben die Museen im Kulturzentrum erfolgreich einen gründlichen Zertifizierungsprozess durchlaufen. Hierbei wurden unter anderem alle Museumsobjekte gesichtet und anhand des neuen Sammlungskonzeptes bewertet. Einige Stücke waren in so schlechtem Zustand, dass sie ausgesondert werden mussten. Der Adventskalender hat die Sichtung überlebt, denn er war bereits Bestandteil einer Ausstellung und darf daher vorübergehend als Deko-Objekt im Magazin verbleiben.

Im Jahr 2001 organisierten das Jüdische Museum Rendsburg und die Museen im Kulturzentrum Rendsburg eine gemeinsame Weihnachtsausstellung. Unter dem Titel „Weihnukka“ wurden Objekte aus dem jüdischen Chanukkafest und dem christlichen Weihnachtsfest in einer kleinen Studioausstellung im Museumscafé gezeigt.

Der Tuborg-Adventskalender hat selbstverständlich wenig mit dem christlichen Weihnachtsfest zu tun, symbolisiert jedoch die zunehmende Kommerzialisierung von Weihnachten. In diesem Sinne wünschen die Museen im Kulturzentrum allen Leserinnen und Lesern eine besinnliche Vorweihnachtszeit und viel Spaß mit allen Türchen in ihrem Adventskalender!